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Liebe Leserinnen, liebe Leser!
„Wahrlich, das kurze Leben, es wäre dem Menschen zu gönnen, dass er es froh verbrächte." Der Unterton in diesem Satz von Johann Wolfgang von Goethe ist unüberhörbar. Mitleid glaubt man herauszuhören, Mitleid mit dem armen Menschen, der den größten Teil seines Daseins wohl eher freudlos verbringt. Seit Goethes Zeiten haben sich die äußeren Lebensbedingungen erheblich verbessert. Die Menschen heute könnten also froh sein. Doch sie sind es immer noch nicht. Auch für den modernen Menschen scheint eher Freudlosigkeit als Freude zum Alltag zu gehören, wie der amerikanische Psychologe Paul Pearsall meint: „Viele kennen nur zwei Zustände: Sie sind entweder müde und gelangweilt oder gestresst und kaputt." Er stellt eine „unbestimmte Traurigkeit inmitten des Wohlstands" fest, eine Traurigkeit, die in der Regel nicht durch existenzielle Sorgen ausgelöst wird, sondern durch einen tiefgreifenden Verlust an Lebensfreude.
Wenn es nicht materielle Gründesind - was vertreibt dann die Freude aus dem Leben vieler Menschen?
Erich Fromm machte die Routine des Ewiggleichen dafür verantwortlich. Jeder Tag verläuft wie der andere. „Von der Geburt bis zum Tod, von einem Montag zum anderen, von morgens bis abends ist alles, was man tut, vorgefertigte Routine." Der moderne Mensch sei in einem „Routinenetz gefangen" und würde im täglichen Einerlei sein wertvolles Leben vergeuden. Das gilt heute mehr denn je: Das Leben der meisten Menschen ist voll, übervoll. Hetze und ameisenartiges Tätigsein kennzeichnen die Tage. Die Zeit ist gefüllt, aber nur noch selten erfüllt.
„Wahre Freude ist eine ernste Sache", meinte der Philosoph Seneca. Wie ernst, das belegten in den letzten Jahrzehnten die Psychoneuroimmunolo-gen. In zahlreichen Studien konnten sie zeigen: Es gibt einen Zusammenhang zwischen positiven Gefühlen und Gesundheit. Ein Mangel an Freude schwächt das Immunsystem und macht anfällig für seelische und körperliche Kranldieiten. Der Körper merkt sich jede Lektion. Unzufriedenheit,
Stress, Feindseligkeit, Neid, unnötige Sorgen und Ängste - all das wirkt wie ein Krankheitsvirus auf Körper und Seele. Umgekehrt stärkt eine positive, unbeschwerte Grundhaltung, die auch in schwierigen Situationen nicht verloren geht, die Abwehr-kräfte.
Es gibt also gute Gründe, sich um die Lebensfreude ernsthaft zu kümmern. Skeptiker, die meinen: „Lebensfreude hat man oder man hat sie eben nicht", werden von den Autoren in diesem Psychologie Heute compact eines Besseren belehrt. Ganz im Sinne des Philosophen Seneca, der meinte, „dass zu einem glücklichen Leben kein großer Apparat nötig ist; jeder kann sich selbst glücklich machen", zeigen sie sieben Strategien auf, wie sich das Leben leichter und damit freudvoller gestalten lässt. Die hier propagierte Lebensfreude hat dabei nichts zu tun mit den Plattitüden des „positiven Denkens" („Mir geht es von Tag zu Tag besser"). Vielmehr vermitteln die Lebenskunststrategien eine grundlegende philosophische Haltung. Wer sie erwirbt, geht in der unvermeidlichen Routine des Alltags nicht unter, lässt sich von Sorgen und Ängsten nicht kontrollieren, verbringt wertvolle Lebenszeit nicht unachtsam und unbewusst, begegnet Gleichgültigem mit der gebotenen Gleichgültigkeit und ver-gisst niemals, sich gut um sich selbst zu kümmern.
Wer dagegen die meiste Zeit seines „kurzen Lebens" freudlos verbringt, treibt wie ein Korken auf dem Wasser. Er hat die Kontrolle über sein Dasein verloren. Wer das nicht will, dem zeigen die sieben Strategien: Nur aus der Freude heraus lässt sich das Leben gestalten.