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Editorial 3
Nur wer sich ändert, bleibt sich treu
Seit 1974 hat Psychologie Heute die Entwicldung der Psycho-therapie(n) aufmerlcsam beobachtet und kritisch begleitet. Drei große Trends zeichneten sich dabei immer deutlicher ab: Seit ihren Anfängen ist aus der „Kunst" des Therapierens, erstens, eine Profession geworden, die, zweitens, immer besser wissenschaftlich fundiert ist und sich, drittens, zunehmend eklektisch, also schulenübergreifend und undogmatisch verhält. Die „Schematherapie", die wir in diesem Heft (Seite 20) vorstellen, ist ein gutes Beispiel dafür. Diese Weiterentvricklung der Verhaltenstherapie greift unter neuem Namen ganz beiläufig die Ideen und Konzepte anderer Schulen auf, etwa die lebensgeschichthche Ausrichtung, wie sie von Skripttheorie, Transaktionsanalyse - und natürlich von der alten Gegnerin Psychoanalyse vorgedacht wurde.
Die Verhaltenstherapie hat sich, ganz gemäß ihrer eigenen Lehre, als besonders lern- und anpassungsfähig, als ein „Wunder der Evolution" entpuppt: Was einmal als relativ sture Anwendung von Lernprinzipien begann - unter Außerachtlassung von Vergangenheit und „unzugänglichem Innenleben" des Klienten -, verwandelte sich erst in die Kognitive Verhaltenstherapie, die sich ganz intensiv um „verborgene" Gedanken und Erfahrungen kümmert. Und neuerdings fächert sie sich noch mehr auf und benutzt eine toolbox, gut gefüllt mit unterschiedlichsten pragmatischen Verfahren. Die Herkunft der einzelnen Methoden interessiert ihre Anwender heute nur wenig, Hauptsache, sie wirken. Was kümmert uns unser Dogmatismus von gestern!
Es ist in allen modernen Therapien das erklärte Ziel, betroffenen Menschen zu ermöglichen, weiterzuleben - das heißt aus Endlosschleifen „falschen Denkens" oder aus beengenden, belastenden Lebensmustern wieder herauszufinden. Zu diesem Zweck verbinden sie den Rückblick, die genaue Gegenwartsanalyse und die Zukunftsprojektion. Wesentliche Unterschiede zwischen den Therapien sind höchstens noch in der Intensität zu beobachten, in der sie sich diesen drei Abschnitten zuwenden.
Psychotherapie ist ein Schwerpunkt in diesem Heft: Mit dem Beitrag „Welche Therapie ist gut für mich?" von Jochen Paulus beginnen wir eine achtteilige Serie, die in Kooperation mit dem Kultursender SWR2 erarbeitet viurde und auf dessen Serie „Therapien für die Seele" basiert. Psychologie Heu-te-Autoren haben maßgeblich an dieser Sendereihe mitgewirkt. Auf Seite 51 schenken wir Ihnen, unseren Leserinnen und Lesern, eine CD. Sie enthält die Folge „Auf der Suche nach der Supertherapie" aus der genannten Hörfunkreihe.
In eigener Sache:
Wenn Sie diese Ausgabe von Psychologie Heute in der Hand halten, dann haben Sie vielleicht das seltsame Gefühl: Etwas hat sich verändert - aber ich weiß nicht so genau, was. Sie erleben das Phänomen der Veränderungsblindheit. Wir bemerken es meistens nicht, wenn ein Freund eine neue Brille trägt oder der Partner einen etwas anderen Haarschnitt. Oder wenn eine Ihnen vertraute Zeitschrift (nehmen wir mal an, dass Psychologie Heute das für Sie ist) ein neues Layout hat. Die Veränderungen sollen vor allem die Lesefreundlichkeit erhöhen, ein immer wichtigeres Gebot in einer von optischen Reizen überfluteten Umwelt. Gleichzeitig gibt es mehr Lesestoff: Psychologie Heute hat ab dieser Ausgabe regelmäßig acht Seiten mehr Umfang. Das bedeutet mehr Themen, mehr Information und regelmäßig auch eine neue Rubrik: Psychologie & Praxis.
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