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ERSTER TEIL Erstes Kapitel Musinga, der sich den Doktortitel zugelegt hatte, wies Kulu an, den Wagen auf der letzten Steigung anzuhalten. „Hier?" fragte Kulu, ohne zu stoppen. „Oder soll ich dort dro« ben anhalten?" Musinga antwortete ihm nicht. Er schlug noch zwei Töne auf seiner Likembe an. Es war eine feine Likembe, die schönste im ganzen Land, denn er hatte sie selbst aus dem Gestell eines zer= brochenen Regenschirms Dr. Eickels gefertigt, ffeute, während er auf dem Rücksitz von Dr. Eickels altem Ford über die holprige...
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ERSTER TEIL Erstes Kapitel Musinga, der sich den Doktortitel zugelegt hatte, wies Kulu an, den Wagen auf der letzten Steigung anzuhalten. „Hier?" fragte Kulu, ohne zu stoppen. „Oder soll ich dort dro« ben anhalten?" Musinga antwortete ihm nicht. Er schlug noch zwei Töne auf seiner Likembe an. Es war eine feine Likembe, die schönste im ganzen Land, denn er hatte sie selbst aus dem Gestell eines zer= brochenen Regenschirms Dr. Eickels gefertigt, ffeute, während er auf dem Rücksitz von Dr. Eickels altem Ford über die holprige Straße von Dibela nach Rugeri zuckelte, hatte er ihr die schönste Musik entlockt, so süß und zu fferzen gehend, daß sogar Kulu die Ohren gespitzt und anerkennend genickt hatte. Jetzt drückte er das kleine Instrument an die Wange, zupfte den hohen Ton immer wieder und schlug ihn noch höher an, bis seine Seele verzückt in den blaßblauen Himmel stieg. Kulu zog plötzlich die Bremsen an, so daß Musinga nach vorn geworfen wurde. „Esel", sagte Musinga und stieg aus. „Unvorsichtiger, dummer Esel. Was habe ich mir für Mühe gegeben, dir das Autofahren beizubringen! Aber du begreifst es einfach nicht." Kulu sagte nichts darauf. Er hatte noch nie über etwas Worte verloren, was jeder, mit der möglichen Ausnahme Musingas, als wahr erkannt hatte. Daß Musinga nämlich ein schlechter Fahrer war. Trotzdem hielt Musinga sich für einen guten Fahrer, weil Dr. Eickel ihm das Autofahren beigebracht hatte. Die Tatsache, daß er sich gegenwärtig immer fahren ließ und niemals selbst am Steuer saß, diente nur dazu, ihn noch mehr von seinen guten Fah= rereigenschaften zu überzeugen. Wie eben wieder. Als Dr. Eickel Musinga angewiesen hatte, nach Rugeri zu fahren und die weiße Madami abzuholen, hatte dieser Kulu gesagt, er könne auch mit= kommen. Worauf Musinga in den Rücksitz geklettert war und Kulu hinter dem Steuer Platz genommen hatte. Hier waren sie nun beinahe in Rugeri, und Musinga würde noch tagelang herum= erzählen, wie er nach Rugeri gefahren sei, um die weiße Madami abzuholen. Selbst die Leute, die sie hatten abfahren sehen und denen der über das Steuerrad gebeugte Kulu nicht entgangen sein konnte, würden sagen: „Ach ja, natürUch, Musinga fuhr nach Rugeri, um die weiße Madami abzuholen." Ohne den Kopf zu wenden, ließ Kulu die Augen nach rechts wandern und betrachtete Musinga, wie er in seinen besten, neben= bei bemerkt: einzigen weißen Shorts und im Baumwollhemd neben dem Wagen stand. Jetzt nahm Musinga seine Schuhe vom Rücksitz herunter, hob zuerst den einen, dann den anderen nackten, horn= häutigen Fuß aus dem Straßenstaub und fuhr mit einem Ausdruck unterdrückten Schmerzes in sie hinein. Dann nahm er seine weiße Bluse hervor und zog sie langsam an, schloß jeden Knopf und glättete die abgetragenen Aufschläge. Er schloß die hintere Tür, öffnete die vordere und verbarg seine Likembe unter einem Lum= pen am Boden. Schließlich nahm er mit einer schwungvollen Be= wegung, wie Kulu sie nie nachzuahmen hoffen konnte, seine Brille aus der Tasche seiner weißen Bluse und setzte sie sich auf die Nase. Kulu wandte den Kopf und sah ihn bewundernd an. Musinga blickte würdevoll zurück. Dann stieg er neben ihn in den Wagen und deutete herrisch wegaufwärts. „Vielleicht", sagte Kulu, während er langsam kuppelte und vom ersten auf den zweiten Gang schaltete, „will der Doktor sie zur Frau nehmen." Musinga runzelte die Brauen. Die weisen Männer von Dibela behaupteten, Dr. Bickel werde bald sterben. Musinga hatte selbst die Zeichen gesehen und sagte sich, daß er Dr. Bickel liebe und daß sein Herz von Traurigkeit erfüllt wäre, wenn der alte Mann stürbe. Obgleich die Weisen Dr. Bickel feindlich gesinnt waren, stimmte Musinga mit ihnen darin überein, daß die Tage des Dok= tors gezählt seien. Bei gelegentlichen Unterhaltungen hatte er so= gar mit einiger Übertreibung beschrieben, wie Dr. Bickel sich vor Schmerzen krümme, und die Weisen hatten sich das mit Vergnü= gen angehört. Musinga war der Meinung, daß er sich sehr klug verhalte; denn wenn Dr. Bickel einmal das Zeitliche segnete, würde er, Doktor Musinga, sicherlich Leiter des Krankenhauses werden und Machtbefugnisse haben, die sein Flerz jetzt schon vor Erwar= tung in Entzücken versetzten. Trotzdem, selbst mit dieser uner= meßlichen Macht ausgerüstet, würde er sich mit den Weisen von Dibela immer noch gut stellen müssen. Daher war es gut, mit ihnen einer Meinung zu sein, nicht nur bezüglich des bevor== stehenden Todes Dr. Eickels, sondern auch hinsichdich der Todes= Ursache.

Termékadatok

Cím: Rachel Cade [antikvár]
Szerző: Charles Mercer
Kiadó: Deutsche Buch-Gemeinschaft
Kötés: Félbőr
Méret: 120 mm x 200 mm
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