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Erstes KapitelIch mußte lernen, daß alle wahren Geheimnisse für immer begraben werden und daß dann nur noch die Geister die Wahrheit sprechen. Darum paßte es gut: Es begann alles auf einem Friedhof, inmitten von Erinnerungen, Geheimnissen und Lügen.In diesem Jahr war der 28. Oktober ein kalter und regnerischer Tag. Als Pater Delaney und ich die kleine Holzkirche verließen, wurde unser Atem zu Nebel. Die drei hohen Eichen, die den Friedhof überragten, waren kahl wie alte Knochen, und zwischen den Grabsteinen war das sommerHche Gras verwelkt. Ich kam jahraus, jahrein hierher, aber stets nur an diesem Tag. Bei jedem Schritt wiederholten sich die immer gleichen Erinnerungen: das flatternde Klatschen der Hosenbeine des alten Priesters; der Geruch der feuchten Blätter unter unseren Füßen; ein rostiges Eisenkreuz, das hinter den Büschen hervorlugte. Die Jahre vergingen, und nichts änderte sich hier. Als wir schließlich vor dem Grab meines Vaters stehenblieben, überkamen mich die alten Gefühle - der Schreck, die Trauer, das allumfassende Nichtglaubenkönnen.Meine Mutter war im vergangenen Winter gestorben; zum erstenmal hatte ich die alljährliche Wallfahrt" allein gemacht. Jahr für Jahr war sie gekommen: aus Liebe, aus Anhänglichkeit und Loyalität. . ., und vor allem aus dem Wunsch heraus, die Zweifel zu widerlegen, die ich in so vielen Augen gesehen hatte: Ein Jagdunfall " Schließlich wußte ich, was die Wahrheit war, auch wenn meine Mutter es nicht glauben wollte. Mein Vater hatte sich umgebracht. Das einzige Geheimnis für mich war, warum er es getan hatte.Ich warfeinen Blick auf den Grabstein. Mir fiel auf, daß die tief in den Granit eingemeißelten Buchstaben allmählich dunkler wurden und daß sich die Schrift in so etwas wie Hieroglyphen verwandelte. Meine Mutter war dahingegangen; jetzt war ich der einzige, der noch herkam, um die verblassenden Zeichen zu entziffern.MITCHELL SVEN THORNE 17. Februar 1902-28. Oktober 1956 London, Paris, Kapstadt, Caracas, Rom