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NEUDEUTSCH
Trends und Triften
Wenn ich das Wort Sprachkritik höre, kommt mir immer ein Bild vors Auge. Ein Mann schlummert im Löwenzahn am Bahndamm, ein Zug kommt vorbei und weckt ihn, und er springt erbost auf, schüttelt die Faust, ruft ihm etwas zu, das der Lärm verschluckt, indes der Zug schon immer kleiner wird.
Die Sprache schert sich wenig um die noch so tief empfundenen Einwürfe des Sprachkritikers. Sie verändert sich in einem fort und läßt sich nicht aufhalten von der Entrüstung über ihren unsteten Wandel. Denn eben daraufläuft Sprachkritik meistens hinaus: daß die Sprache leider nicht mehr ist, was sie einmal war. Das Sprachgehör ist konservativ. Es mag nicht, was es nicht gewöhnt ist.
Meist schreitet solche Sprachkritik gegen einzelne Wörter und Wendungen ein. Gegenwärtig zum Beispiel geme gegen die Formel ich gehe davon aus, dcß (»steife Sprachprotzerei«; »außen Gips, innen hohl« und so weiter). Was aber ist es, das gegen sie spricht? Daß sie sehr häufig geworden ist - aber es gibt häufigere. Daß soviel Lauferei leicht ridikül wirkt - aber viele metaphorische Wendungen haben etwas Komisches, wenn man sie wörtlich nimmt, wörtlicher, als es das allgemeine Sprachempfinden tut; voraus»setzen« oder unter»stellen« sind, faßt man das ihnen zugmndeliegende, aber verblaßte Bild ins Auge, um nichts edler. So bleibt als einziger Grund: daß man fniher anders gesagt hat, ich nehme an, daß oder ich setze voraus, dc^ Tatsächlich