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Vorwort
Der Ausgang der Parlamentswahlen hat die zugespitzte politische Lage in Rußland keinesfalls entspannt. In Bezug auf die weitere politische und wirtschaftliche Entwicklung überwiegen pessimistische Einstellungen. Die Bevölkerung hat den Radikalreformen nicht zuletzt wegen der rapiden Senkung des Lebensstandards und der katastrophalen Nebenwirkungen der bisherigen Therapie im Sozialbereich eine Absage erteilt. Als Konsequenz ist eine Verlangsamung der Wirtschaftsrefonnen zu erwarten.
Die bisherigen Ansätze der Reform, die alle aus der Moskauer Zentrale angeregt und gesteuert wurden, sind gescheitert. Weder die halbherzige Wirtschaftsreform Michail Gorbatschows noch die Schocktherapie Jegor Gajdars konnten den wirtschaftlichen Verfall des Staates aufhalten. Das Land befindet sich an einem Scheideweg seiner Entwicklung. Wohin steuert Rußland? Dies ist nicht nur die Frage nach dem richtigen Konzept für die wirtschaftliche und politische Reform, sondern auch die Frage nach der Zukunft Europas. Scheitert die Transformation im Innern dieses riesigen Landes, so werden die Folgen den gesamten Kontinent betreffen.
Der Wirtschaftswissenschaftler Grigorij Jawlinskij gehört zu den originellsten Denkern des neuen Rußland. Der ehemaliger Berater Gorbatschows, Mitautor des »500-Tage-Planes« und Motor der demokratischen Partei »Jabloko«, die er im neugewählten Parlament anfuhrt, präsentiert sein Konzept für die wirtschaftliche imd politische Emeuerung Rußlands. Jawlinskij fordert Reformkompetenzen ffir die Regionen und belegt seinen Plan mit Erfahrungen aus Nischnij Nowgorod. Dort wird die Entwicklung einer neuen Wirtschaftsstruktur unter seiner Leitung bereits mit Erfolg praktiziert.
Der vorliegende Band besteht aus zwei Teilen. Im ersten Abschnitt legen Jawlinskij und seine Mitarbeiter ihr Konzept fiir eine »Reform von unten« dar und belegen die Schwächen der bisherigen Politik. Der zweite