Bővebb ismertető
1
ZUR EINFÜHRUNG
Vor 450 Jahren hat am 31. Oktober 1517 D. Martin Luther seine „Thesen über die Kraft des Ablasses" veröffentlicht. Dieses Wort und diese Tat haben eine Bewegung von weltgeschichtlichen Ausmaßen ausgelöst. Erst in der Rückschau hat man ganz die Bedeutung der Handlung Luthers erkannt. Je weiter man sich von diesem Ereignis entfernte, um so deutlicher trat hervor, daß die Veröffentlichung jener Thesen den Anstoß zur Reformation als einer die Kirche und die Welt von Grund auf verändernden Bewegung gegeben hat. Wir haben deshalb nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, am Reformationstag dieses Jahres jenes epochemachenden Ereignisses zu gedenken. Unsere Generation erfährt im Unterschied zu den ihr vorangegangenen die Einheit der Welt und trotz der hier und dort auflodernden Brände die Wohltat eines die Welt umfassenden Friedens. Vor fünfzig Jahren waren die großen Nationen der Welt in den sie in ihren Grundfesten erschütternden Ersten Weltkrieg verwickelt. Sie konnten nicht an das Ereignis denken, das die Epoche der Reformation eingeleitet hat. Auch heute deuten noch viele Zeichen auf das Fehlen einer inneren Befriedung der Welt und damit auf den jederzeit möglichen Ausbruch neuer Konflikte hin. Im Fernen Osten sind die Waffen nicht zum Schweigen gekommen. Trotzdem darf sich unsere Generation einer internationalen Entspannung erfreuen, die die Welt weder vor hundert noch vor hundertfünfzig Jahren gekannt hat. Darum müssen wir uns der großen Gabe bewußt werden, die uns in der Reformation zuteil geworden ist.
Mit Dankbarkeit gegen Gott nehmen wir diese unserer Generation geschenkte Gelegenheit zur Feier des Reformationsjubiläums vom 31. Oktober 1967 wahr. Welche Bedeutung kommt diesem Werk für die Christenheit und die Welt heute zu?
Die Reformation ist nicht das Werk eines Mannes, obwohl Martin Luther ihr Urheber und erster Gestalter ist. Die Reformation der abendländischen Christenheit darf nicht aus persönlichen Beweggründen, nicht aus einem überspannten religiösen Eifer oder einem zu mächtigen prophetischen Bewußtsein Luthers abgeleitet werden. Die Reformation stellt die Erneuerung der Kirche dar, mit der diese ihr Verhältnis zur Welt neu geordnet und sich selbst diejenige Gestalt gegeben hat, die dem ihr im Neuen Testament vorgehaltenen Ur-bilde entspricht.
Die Kirche war bereit, alles von sich zu entfernen, was an weltlichen Zügen in sie eingedrungen war. Immer muß die Kirche dieses Verlangen zu ihrer Erneuerung, d. h. zur Ausscheidung der in sie eingedrungenen weltlichen Elemente in sich tragen. Die Reformation der Kirche ist darum eine immer wieder notwendig werdende Lebensäußerung, ohne die sie ihre geschichtliche Existenz nicht führen kann.
Man darf deshalb die Reformation des 16. Jahrhunderts nicht getrennt von den ihr voraufgegangenen Reformbewegungen sehen. Sie bedeutet Vollendung und Abschluß derselben. Weil sie in sich selbst das Prinzip einer ständigen Erneuerung der Kirche entwickelt hat, kann sie auch nur dort verstanden und in ihrer Echtheit bewahrt werden, wo sich die Kirche der Pflicht zu diesem Akt der Kritik an sich selbst und der Erneuerung ihrer selbst bewußt geblieben ist und alle Konsequenzen auf sich genommen hat, die sich daraus für ihre Stellung zur Welt ergeben. Es ist nicht richtig, die einzelnen geschichtlichen Begleitumstände der Reformation des 16. Jahrhunderts zum Maßstab für die Beurteilung der gesamten Bewegung zu machen. Das gilt von den politischen, sozialen und geisti-