Bővebb ismertető
Alle jammern. Reisen steht kritisch zur Debatte. »Reisen« im realen Sinn - nicht im übertragenen, etwa im Sinn der »Lebensreise«, der »Reise ins Ich« etc. (Psycho-Reisen haben immer noch Konjunktur). Gejammert wird darüber, daß die Touristen (immer die anderen) nach und nach alle (wirklich?) schönen, einsamen, ursprünglichen Orte zerstören. Darüber, daß die Reisebewegung völlig banal, eng, unästhetisch, stillos wird. Goethe hätte trotz Achsbruch und drohender Wegelagerer noch ein Reisetagebuch schreiben können - was soll einer heute schreiben über die Reise, die ihn - die üblichen Verspätungen und Wartezeiten nicht eingerechnet - in durchschnittlich vier Stunden zum Ziel bringt. Die Entfernungen werden immer kürzer, die Abstände zwischen den einzelnen Orten auf der Welt nivellieren sich und die Orte sind identisch. In Deutschland sieht man das bestens an den gleichen Laternen in den gleichen Fußgängerzonen all der renovierten Klein- und Mittelstädte. Und überall woanders an den deutschen Bierstuben der Ferienzentren. Gereist wurde schon immer. Früher vorwiegend aus ökonomischen Gründen - reisende Handwerker, Kaufleute, Sänger - später auch aus erbaulichen Gründen, der Bildung wegen - und noch später dann der sogenannten Erholung wegen. Es gibt die Theorie, daß, wenn alles immer schneller wird - Uberschallgeschwindigkeit, Geschwindigkeiten schneller als das Licht, berufsmäßig reisende Manager, die in New York frühstücken, in Paris mittags einen Kaffee trinken und dann das Nachtleben Tokyos genießen - daß also, wenn man sich theotetisch immer schneller fortbewegen kann, die Welt zuletzt zu einem Punkt zusammenschnurrt - zu ihrem Ursprung sozusagen. Nur berücksichtigt dieser Gedanke nicht, daß in diese Bewegung sich unweigerlich Störungen einbauen. Die Staus des Straßenverkehrs zeigen sich schon im Flugverkehr, zuletzt der Unfall. Die Punkte werden wieder unerreichbar fern. Im Stau wird die Zeit wieder spürbar, statt zu verschwinden. Die Zeit ist am deutlichsten im Warten. Der Stillstand in der Bewegung. Nicht nur in diesem realen ärgerlichen Sinne ein Prinzip des Reisens. Daß in der Bewegung der Stillstand steckt, läßt sich positiv wie negativ interpretieren. Wir plädieren hier eher für eine kritische Distanz zum modischen Jammern der Vielreisenden über das Reisen. Also für eine positive Einstellung zu besagtem Stillstand. Was, das ist selbstverständlich, nicht heißt, daß hier euphorisch alles Reisen samt Folgen gutgeheißen würde.