Bővebb ismertető
Vorwort
Die wiederherstellenden Eingriffe am Arteriensystem haben im Laufe der letzten 15 Jahre zunehmende Bedeutung erlangt und sind zum Gegenstand eines neuen Spezialgebietes der operativen Chirurgie geworden. Ihre Technik unterlag vielfachen Abänderungen und Verbesserungen; ihre Anzeigestellung erfuhr dank einer verbesserten Diagnostik und dank den Fortschritten auf dem Gebiete der allgemeinen Chirurgie (Intubationsnarkose, Blutersatz u. a.) eine wesentliche Erweiterung und brachte beispielsweise die Ausdehnung dieser Eingriffe auf die herznahen Aortenabschnitte mit sich. Auf einzelnen Gebieten, wie z. B. der Behandlung der obliterierenden Gefäßerkrankungen, machen sie heute eine völlige Neuorientierung notwendig. Trotz dieser stürmischen Entwicklung und fortschreitenden Spezialisierung der Gefäßchirurgie blieb diese doch unlösbar mit der allgemeinen Chirurgie verbunden: Die Technik der Gefäßnaht und die allgemeinen Regeln der Gefäßrekonstruktion gehören zum unentbehrlichen Rüstzeug jedes Chirurgen. Auch am kleinen und mittleren Krankenhaus wird es ihm immer wieder zufallen, gefäßchirurgische Notfälle, wie eine Gefäßverletzung, eine arterielle Embolie oder die Rupturblutung eines Aneurysmas, operationstechnisch zu meistern. Es entspricht der Absicht dieses Buches, sich nicht nur an den Spezialisten, sondern in gleicher Weise an den Allgemeinchirurgen zu wenden und ihm Richtlinien und praktische Hinweise für sein Handeln zu geben. Die nichtdringlichen Eingriffe bei chronischen Arterienverschlüssen, ferner die Erkrankungen herznaher Gefäßabschnitte, fallen viel eher in die Zuständigkeit gefäßchirurgischer Spezialabteilungen.
Die gesamte kardiovaskuläre Chirurgie befindet sich in rascher Fortentwicklung: Was vor wenigen Jahren noch Gültigkeit für sich beanspruchte, wie beispielsweise der alloplastische Gefäßersatz im Bereich der Oberschenkelarterie, gilt heute bereits als überhoh. Eine Flut von Publikationen brachte im Laufe der letzten Jahre auf dem Gebiete des Gefäßersatzes, der Operationstechnik, des chirurgischen Instrumentariums, nicht zuletzt aber auch in der klinischen Diagnostik und Indikations-
stellung eine Fülle neuer Erkenntnisse mit sich. Das gefäßchirurgische Schrifttum ist kaum mehr zu übersehen. Eine kritische Sichtung tut Not.
Inhaltlich erwiesen sich verschiedene Beschränkungen als notwendig, einerseits, um den Rahmen der Monographie nicht zu weit zu spannen, andererseits, um bestimmten praktischen Kapiteln die nötige Ausführlichkeit angedeihen zu lassen. Das gilt insbesondere für die Eingriffe am aorto-iliakalen und femoropoplitealen Gefäßabschnitt, die heute den Hauptgegenstand gefäßchirurgischer Interventionen darstellen. Verschiedene Mißbildungen und Erkrankungen herznaher Gefäße wie der offene Ductus arteriosus, der Truncus arterio-sus communis und die Chirurgie der Lungenarterien blieben unberücksichtigt, da diese heute weitgehend der Herzchirurgie zugeordnet werden und in zahlreichen Standardwerken jüngeren Datums nachzulesen sind. Andererseits schien es angeraten, die Chirurgie der Koronararterien mit darzustellen, da sie in den kardiovaskulären Standardwerken bislang kaum Berücksichtigung fand. Ätiologie, Fathophysiologie, Klinik und Diagnostik der verschiedenen Krankheitsbilder wurden den einzelnen Abschnitten als kurze Übersichten vorangestellt. Das Hauptgewicht der Darstellung liegt auf der modernen Operationstechnik und der chirurgischen Indikationsstellung.
Das Buch ging aus der Disposition einer Habilitationsschrift (1962) hervor. Es erhielt gewichtige Impulse aus den Eindrücken zweier Auslandsaufenthalte an verschiedenen angloamerikanischen Gefäßzentren (1957/58 und 1965). Die entscheidende Grundlage bildet aber der glückliche Umstand, daß ich in meinen chirurgischen Lehrern, Prof Dr. K. H. Bauer und Prof Dr. F. Linder, begeisterte Förderer dieses jungen chirurgischen Spezialgebietes fand. Prof Dr. F. Linder wandte sich als einer der ersten in Deutschland sowohl experimentell als auch klinisch der modernen Gefäßchirurgie zu: 1953 richtete er an seiner damaligen Berliner Klinik eine funktionstüchtige Blutgefäßbank ein; 1954 folgte der erfolgreiche Ersatz der menschlichen Brustaorta durch homoio-plastische, dann durch alloplastische Gefäßtrans-