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VORWORTDas 19. Jahrhundert genießt keinen guten Ruf. Heutzutage ist es direkt Mode, in einem verächtlichen Sinn von ihm zu reden. Es gibt wenige Jahrhunderte in der Geschichte, die so viel verlästert wurden wie das 19. Jahrhundert. Aber besitzt das 20. Jahrhundert die innere Berechtigung, sich in der Weise über das vergangene Säkulum zu überheben? Tatsächlich steht es in jeder Beziehung in seiner Gefolgschaft I Beinahe alle modernen Ideen, die gegenwärtig die Menschen beschäftigen, haben ihre Herkunft im 19. Jahrhundert, jenem ebenso fruchtbaren wie gespaltenen Zeitalter, ohne das die Gegenwart im Guten und Schlechten nicht geworden wäre, was sie heute ist. Das 19. und das 20. Jahrhundert bilden vorläufig noch eine Einheit, und man tut ersterem unrecht, wenn es kurzerhand mit der wilhelminischen Ära identifiziert wird. Trotz der zur Schau getragenen Geringschätzung gegenüber dem Geist des 19. Jahrhunderts" stehen wir noch immer in dessen Schatten. Redet man vom 19. Jahrhundert, so meint man im wesentlichen etwas Gegenwärtiges.Erst im vergangenen Jahrhundert kam es zur Entstehung der modernen Situation, die Karl Jaspers in einer kleinen Schrift scharfsinnig umrissen hat. Der endgültige Durchbruch der rationalen Betrachtung des Lebens, die ins Riesenhafte gehende Vergrößerung des Kapitalismus infolge der überhandnehmenden Industrialisierung, das Anschwellen der Arbeiterbewegung, die im Sozialismus Ziel und Richtung erhielt, die beispiellose Entfaltung der technischen Welt, um nur die bedeutsamsten Faktoren zu nennen, haben diese moderne Situation geschaffen. Wenn im 19. Jahrhundert auch erst die Anfange der neuen Lage festzustellen sind, so zeichnen sich die Konturen dieser modernen Situation doch bereits klar ab. Sie unterscheiden sich in mannigfacher Beziehung scharf von den früheren Zuständen und kommen einem trotz den ihnen anhaftenden Schattenseiten wie idyllisch vor. Von den breiten Massen wurde damals Sinn und Schicksal