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REMBRANDT
Im Holland des frühen siebzehnten Jahrhunderts hatten es die Maler in mancher Hinsicht schwerer als im übrigen Europa. Das Land war bis 1581 unter spanischer Herrschaft gestanden, es gab also keinen Hof und somit keine Tradition der Hofmaler; und die protestantische Kirche, die auf eine nüchternere Ausstattung ihrer Gottes- und Gemeindehäuser Wert legte, hatte weniger Aufträge für die Künsder. Ein Maler galt in den nördlichen Niederlanden kaum mehr als ein Handelsmann, der seine Ware an den Kunden bringen will. Und dieser Kunde aus einer tatkräftigen, emsigen Bevölkerung, die das siebzehnte Jahrhundert zum » goldenen Jahrhundert« Hollands machen sollte, verlangte Bildnisse seiner selbst, seines Wohlstandes und seines Landes.
Die Nachfrage nach Gemälden beschränkte sich darum auf Porträts, Gruppenbilder, Interieurs, Genreszenen und Landschaften. Die meisten Maler waren auf eines dieser Gebiete spezialisiert, was in der Kunstgeschichte etwas vöUig Neues darstellte.
Ein Künstler jedoch ignorierte alle thematischen Unterteilungen und übte durch vielseitiges Genie nachhaltigen Einfluß auf seine malenden Landsleute aus: Rembrandt.
Rembrandt Harmensz van Rijn wurde am 15. Juli 1606 in der Stadt Leiden geboren, er war das vorletzte von sechs Kindern eines Müllerehepaares. Seinem Vater gehörte zur Hälfte eine Mühle an einem Rheinarm, daher der Familienname » van Rijn«. Der tüchtige Mann und seine Frau, eine Bäckerstochter, hatten es zu einer gewissen Wohlhabenheit gebracht. Die beiden älteren Brüder Rembrandts erlernten bereits ein solides Handwerk, und so konnten sich die Eltern ihren sehnlichsten Wunsch erfüllen und den begabten Fünftgeborenen in die Lateinschule schicken; er sollte Gelehrter werden. Nach siebenjähriger humanistischer Ausbildung, im Mai 1620, ließ man ihn an der Universität Leiden immatrikulieren.
Den jungen Rembrandt konnte die Wissenschaft jedoch nicht fesseln, ihn drängte es mit Macht zur Gestaltung mittels Form und Farbe, zur Malerei. Dank des Verständnisses seiner Eltern durfte er die Universität verlassen — wahrscheinlich noch im Jahr 1620 — und in das Ateher von Jakob van Swanenburgh eintreten, wo er drei Jahre lang blieb. Über diesen Meister weiß man wenig; bekannt ist nur, daß er zwölf Jahre lang, von 1605-1617, in Neapel gelebt und eine Italienerin zur Frau hatte. Nach der grundlegenden Lehre bei ihm ging Rembrandt für ein halbes lahr zu dem geschätzten Pieter Lastman nach Amsterdam, um seiner Ausbildung den letzten Schhff zu geben. Lastman, der ebenfalls in Italien gearbeitet hatte, machte Rembrandt auch mit