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Erstes Kapitel
DIE STELLUNG REMBRANDTS IN DER HOLLÄNDISCHEN KUNST
Alle, die in letzter Zeit Rembrandt beurteilten, haben .ihn mit der Elle ihrer peinlichen, klugen und wohlunterrichteten Kritik bemessen. Sie haben sich bemüht, sein Leben in alle Einzelheiten aufzulösen, Jahr um Jahr, Freude um Freude, Trauer um Trauer, Unglück um Unglück, was zur Folge hat, daß wir ihn nun in allen seinen Kleinlichkeiten kennen, daß wir Interesse haben für seine Sammelwut, seine persönlichen Tugenden, seine väterlichelnbrunst, seine häuslichen LiebesafFären, und um seinen Wohlstand, seinen Untergang und seinen Tod wissen. Ein Inventar, das bis zum heutigen Tag erhalten ist, sowie etliche Dokumente, die sich auf die Vormundschaft seines Sohnes beziehen, haben einigen Kritikern Gelegenheit gegeben, wie Zählmeister in die äußere Existenz dieses großen Mannes einzudringen. Ihre präzisen Untersuchungen haben gleichsam eine beharrliche Ameisenarbeit an seinem großen Ruhm verrichtet: sie haben ihn entkleidet, sicherlich mit höchster Achtung, aber doch mit einer grausamen, eindringlichen Neugier, und nun steht er nackt und gequält vor uns wie jener Christus an der Säule, den er gemalt haben soll, um sich über seine Gläubiger zu trösten.