Bővebb ismertető
REMBRANDT von Heinrich Bodmer Holland ist verháltnismáBig spat, d.h. erst gegen Endc des 16. Jahrhunderts, nach seiner Befreiung vom spanischen Joch, als bedeutender Faktor in den Kreis der selbstándigen europaischen Kulturstaaten eingetreten, um dann wáhrend des 17. Jahrhunderts in allén Gebieten des Geisteslebens eine führende Rolle zu spielen. Der Schauplatz, auf dem sich die Energien des Landes am freiesten entwickeln und am glücklichsten entfalten konnten, war die Maierei. Begünstigt durch den Umstand des fast gleichzeitigen Auftretens zahlreicher namhafter Meister, tritt in Holland im Laufe weniger Jahrzehnte eine Kunst ins Leben, die die abendlándische Maierei um eine sehr intimé und liebenswürdige Schilderung des arbeitenden, strebenden und sich seines Lebens freuenden Volkes bereichern sollte. Aus dieser Schar achtenswerter Künstler ragt als der gröBte und zugleich als der einzige Meister, der es zu wahrhaft europáischer Bedeutung gebracht hat, Rembrandt Harmensz van Rijn hervor. Er wurzelt mit allén Fasetn seiner Seele in seiner hollandischen'Heimat. Kein anderer Künstler ist so eng mit seinem Volke verbunden wie er, kein anderer hat den Genius seines Landes so rein und unmittelbar verkörpert wie Rembrandt. Er ist der echte Vertreter des niederdeutschen Volkstums, das die Natúr mit so reichen Gaben des Herzens und einer so übermáchtigen Empfindung für die Wirklichkeit in allén ihren Ausdrucksformen und Erscheinungsmöglichkeiten ausgestattet hat. Im Gegensatz zu Rubens und Van Dyck, die beide nach Italien gewandert sind, ist Rembrandt über die engen Grenzen seiner Heimat nicht hinausgekommen. Alle entscheidenden Anregungen seines Lebens verdankt er seiner unmittelbaren Umgebung. Italien, wohin alle flámischen Künstler mit Sehnsucht schauten, hat erst auf dem Höhepunkt seines Lebens und auch dann nur mehr auBerlich als wirklich entscheidend auf seine Kunst eingewirkt. Seine Lehrer sind einheimische Meister von lokaler Bedeutung gewesen. Alles, was er geworden ist und was er für die Welt geleistet hat, sein Streben ins Unbegrenzte und Schrankenlose, seín hoher Geistesflug, der keine Fesseln kennt, sein Glaube an die unerschöpfliche Schönheit der Welt, sein Gefühl für die magische Gewalt von Licht und Farbe, den untrüglichen Blick für das Wahrhafte und Göttliche im menschlichen Dasein, verdankt er seinem Genie, aber ebensosehr dem engen Verwurzeltsein im Boden der Heimat. Sobald er sich durch langsame und zielbewuBte Arbeit von der handwerklichen Tradition der heimischen Maierei befreit hat, erhebt seine Phantasie den Flug ín die unermeBliche Weite eines von ihm eroberten Reiches der Farbe und der lichtdurchfluteten und schattenerfüllten Atmospháre, Seine Phantasie ist es, die die Gegenstánde des táglichen Lebens neu erschafft. Sie entdeckt zu einer Zeit, in der die Tradition des Bildnisses für alle Zeiten festgelegt schien, den Menschen, nicht den herkömmlichen Vertreter eines gesellschattlichen Ideals oder einer Konvention, sondern den Menschen mit seinen Freuden und Leiden, dem das Lebensschicksal auf der Stirne geschrieben steht, den Menschen in seiner Selbstherrlichkeit und in seinem kühnen Tatendrang, aber auch in seiner Selbstbeschrankung und stillen Resignation gegenüber dem Walten einer höheren Macht. Nur in engster Abhangigkeit und Verbundenheit mit dem umgebenden Raum kann der Mensch seinen Lebenswillen bekunden. Licht und Schatten sind die auBeren Voraussetzungen jeder Erscheinung, sie sind das Fluidum, das den Raum erfüllt, und die áuBere Form, in der das Dasein seine objektíve Wirklichkeit erhalt. Es ist das Verdienst Rembrandfs, diese Tatsache in ihrer ganzenTragweite erkannt und sie zum Ausgangspunkt der künstlerischen Darstellung der Wirklichkeit