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Irene Geismeier - Rembrandt Harmensz. van Rijn [antikvár]

Rembrandt Harmensz. van Rijn [antikvár]

Irene Geismeier

 
D as Werk und der Name Rembrandts waren zu allen Zeiten im Kulturbcwußtsein der Nachwelt gegenwärtig. Doch mit dem Wandel von weltanschaulichen Programmen und ästhetischen Theorien hat das Rembrandt-Bild Umwertungen erfahren. Rembrandts Art, die Dinge zu sehen, befremdete vor allem den Akademismus des 17. Jahrhunderts und den höfisch dekorativen Geschmack des 18. Jahrhunderts. Kupferstecher und Maler paßten seine Werke in mißverstehender Nachahmung dem Rokoko an und leisteten auf ihre Weise neben Sammlern und Kunsthändlern einen...
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D as Werk und der Name Rembrandts waren zu allen Zeiten im Kulturbcwußtsein der Nachwelt gegenwärtig. Doch mit dem Wandel von weltanschaulichen Programmen und ästhetischen Theorien hat das Rembrandt-Bild Umwertungen erfahren. Rembrandts Art, die Dinge zu sehen, befremdete vor allem den Akademismus des 17. Jahrhunderts und den höfisch dekorativen Geschmack des 18. Jahrhunderts. Kupferstecher und Maler paßten seine Werke in mißverstehender Nachahmung dem Rokoko an und leisteten auf ihre Weise neben Sammlern und Kunsthändlern einen Beitrag zur Uberlieferung seiner künstlerischen Hinterlassenschaft. Der Mensch Rembrandt wurde als „Sonderling" und „Bohémien" gesehen, sein Lebenslauf mit Legenden und Mythen ausgestattet. Als „Maler der Geusen" und als „Luther der Malerei" wurde er im Sturm und Drang und in den revolutionären Perioden von 1830 und 1848 gefeiert. Vornehmlich der italienischen Kultur verpflichtete Theoretiker wie Jacob Burckhardt lehnten ihn dagegen als „Maler des Pöbels" ab und verbannten ihn aus dem Reich des Edlen und Kunstschönen. Erst mit den Ergebnissen einer sachlich-kritischen Quellenforschung, wie sie das späte 19. Jahrhundert eingeleitet hat, konnte die moderne Kunstwissenschaft neben einer Entromantisierung der Rembrandt-Biographie auch eine stilkritische Sichtung des Rembrandt-Werkes erfolgreich vornehmen. Wenn der Forscher Hofstede de Groot 191; beispielsweise noch über 1000 Gemälde als eigenhändige Arbeiten aufzählte und von 2000 Handzeichnungen und 300 Radierungen sprach, so erkannte H. Gerson, was freilich nicht unwidersprochen blieb, in seiner 1969 veröffentlichten Rembrandt-Monographie nur noch 420 Gemälde als wirklich eigenhändig an. Und selbst an diesen ist, wie die modernen naturwissenschaftlichen Untersuchungsmethoden ernüchternd zutage bringen, im Lauf der Epochen häufig genug durch Übermalungen, Beschneidungen, Verputzungen manche ursprüngliche Absicht des Meisters entstellt worden. Zweifel an der Eigenhändigkeit wurden auch in jüngster Zeit bei manchem bislang unumstrittenen Werk vorgebracht, wobei parallel dazu die Kenntnis zum Ouvre der zahlreichen Rem-brandt-Schüler systematisch erweitert wird. Als Sensation verfolgte die internationale Öffentlichkeit beispielsweise die Untersuchung des berühmten Berliner Bildes „Der Mann mit dem Goldhelm". Manche andere große Galerie mußte von ihrer bisher stolzen Zahl an scheinbar sicheren Rembrandt-Werken Abstriche machen. Derzeit glaubt man noch etwa zjo Gemälden das Prädikat „eigenhändig" geben zu können. Der heutigen fundierten Erforschung sozial- und geistes-geschichriicher Zusammenhänge des 17. Jahrhunderts ist die Klärung und Enträtselung mancher Bildinhalte ge- lungen, und so erschließt sich Rembrandts Ideenwelt neu. Vor diesein Hintergrund der Entschleierung und sachlichen Korrektur ergreift der moderne Mensch Besitz vom Werke Rembrandts, dessen humanistisches Gedankengut und dessen individuelle künstlerische Sprache über drei Jahrhunderte hinweg an geistiger und emotioneller WirksaiTikcit nichts verloren haben. Die Lebensdaten Rembrandts - 1606-1669 - fallen annähernd mit den für Aufstieg und Fall des jungen holländischen Staatswesens entscheidenden Jahreszahlen zusammen. 1581 hatten sich die sieben nordniederländischen Provinzen im Verlauf eines langen Freiheitskrieges von der spanisch-katholischen Fremdherrschaft losgesagt. 1609 wurde ein Waffenstillstand abgeschlossen und damit eine De-facto-Anerkennung Hollands als selbständiger Staat erreicht. Diese Atempause wurde für die wirtschaftliche und politische Festigung der jungen, dem historischen Trend nach absolutistischer Zentralgewalt widerstehenden Republik betriebsam genutzt. Der Einstieg in das Eroberungs- und Handelsgeschäft mit Kolonien in Osrindien, Zentral- und Nordamerika, auf den Südsee-Inseln und in Südafrika vollzog sich um so ungehemmter, als das übrige Europa seine Kräfte seit 1618 in den polirischen und religiösen Machtkämpfen des Dreißigjährigen Krieges verzehrte. Holland, geschützt durch seine Kanäle, Seen und Sümpfe, durch seine scheinbare Neutralität und tatsächliche Geistestoleranz wurde zur ersten Kapitalmacht Europas. Es beherrschte jahrzehntelang den maririmen Handel und vermochte auch im Inneren des Landes Wohlstand und bürgerliche Wohlfahrt zu entfalten, die in ganz Europa ihresgleichen suchte. Das ethische Prinzip der calvinisrischen Staatskirche, die die Auserwähltheit des einzelnen an seinem Arbeitserfolg maß, diente dem kapitalistischen Konkurrenzkampf ebenso wie der Herausbildung der puritanischen bürgerlichen Klassenmoral. Doch bereits kurz nach dem Abschluß des Westfälischen Friedens in Münster 1648, bei dem die Unabhängigkeit Hollands in feierlichem Ritual endgültig anerkannt worden war, setzte Verfall ein. Zunächst brach England das holländische See-Monopol im Zwischenhandel durch die Navigationsakte von 1651. Da sich das Handelskapital nur in geringem Maße in produzierendes Industriekapital verwandelt hatte, war damit die Lebensbasis des Landes getroffen. In den drei folgenden Seekriegen gegen England erlitt Holland weitere schwere Niederlagen, und schließlich sandte das absolutistische Frankreich Truppen mit Expansionsauftrag gegen „die kapitalistische Musternarion des 17. Jahrhunderts" (Karl Marx). Innenpolirische Machtkämpfe zwischen der nassau-oranischen Statthalter-Aristokratie und der großbürgerlichen Handelsoligarchie, über die konträren Interessen der plebejischen und kleinbürgerlichen 5

Termékadatok

Cím: Rembrandt Harmensz. van Rijn [antikvár]
Szerző: Irene Geismeier
Kiadó: VEB E. A. Seemann Verlag
Kötés: Papírmappa
ISBN: 3363002777
Méret: 240 mm x 330 mm
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