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RENOIR
Einundvierzig Jahre war der Vater, dreiunddreißig die Mutter, als Auguste am 25. Februar 1841 in Limoges zur Welt kam. Die Meisterin Renoir, selbst Schnei-derstochter. liebte « die schönen Dinge », und von seinem Großvater väterlicherseits « hatte Renoir eintragen lassen, daß dieser adeligen Ursprungs gewesen und dessen Eltern während der Schreckensherrschaft hingerichtet worden seien; ein Holzschuhmacher aus dem Limousin hatte den Waisenknaben aufgenommen und ihm seinen Namen gegeben, freilich ohne zu wissen, daß dies für das Kind keine so große Ehre war, wie er glaubte » (Maximilien Gauthier).
1845 war der Schneidermeister Renoir mit seiner Familie zwar schon in Paris, aber des Künstlers Lebenslauf blieb wie durch einen unsichtbaren Faden mit seiner mittelfranzösischen Geburtsstadt verknüpft : Limoges, die einstige gallo - römische Civitas Lemovicum, ist berühmt wegen seiner schönen mittelalterlichen Bauwerke und wegen seiner Email- und Porzellanmaler, die in Jahrhunderten ihre Handwerkskunst verfeinerten und vervollkommneten. Gleich Leonardo da Vinci, den er als reifer Mann zwei Jahre in Italien studieren sollte, glaubte Renoir, daß « die fähigste Hand immer nur die Dienerin des Gedankens » und daß « Malen als solches ein Handwerk ist wie das Tischlern und das Schmieden und denselben Regeln unterliegt ».
Vater Léonard Renoir hatte eine Frau und fünf Kinder zu ernähren, und so nimmt es nicht wunder, daß Auguste mit dreizehn Jahren ganztägig in der Manufaktur Sevres arbeitete. In der Schule hatte er als « fröhliches, dabei ernsthaftes Kind » gegolten — übrigens ein Urteil, das, gemessen an der ganzen künstlerischen Entwicklung Renoirs, von bemerkenswertem psychologischem Einfühlungsvermögen der Lehrer zeugt —, doch das Familienbudget verlangte Aufbesserung.
Die Renoirs wohnten in der Rue du Doyenné, in einem alten Viertel, das bei der Errichtung des Cours du Carrousel weichen mußte. Gérard de Nerval liebte seine düstere Romantik, und Baudelaire beklagte seinen Abbruch.
Die Arbeitsstätte Augustes lag in der Rue du Temple, in der Nähe des Louvre. Der jugendliche Porzellanmaler, auf der Suche nach neuen Sujets und Vorbildern für seine Figuren, verbrachte die meisten seiner Mittagspausen bei den großen Meistern. Eintritt zahlte er nicht gern, er hatte das Geld gar nicht. Renoir hielt sich damals schon oft in den Sälen mit den antiken Skulpturen auf.
Siebzehn Jahre war Auguste Renoir alt, da verlor er seine Anstellung, denn die Industralisierung machte auch vor handwerklichen Berufen künstlerischen Charakters nicht halt: die Porzellanmaler wurden durch die Maschine ersetzt, es kam
Ludion