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Manfred Buhr (Berlin)Die Philosophie Immanuel Kants als theoretische Quelle des Marxismus-LeninismusImmanuel Kant war einer der größten und einflußreichsten Philosophen der progressiven Bourgeoisie in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Wirkung seiner Philosophie reicht weit über seine Zeit hinaus. Das vor allem deshalb, weil sie Fragen aufwarf und beantwortete, löste und ungelöst ließ, die untrennbar mit dem Herausbildungs- und Entwicklungsprozeß der bürgerlichen Gesellschaft sowie mit der Wissenschaftsentwicklung der Zeit verbunden waren.Im engeren Sinne bezeichnet die Philosophie Kants Höhepunkt und Abschluß der europäischen Aufklärungsbewegung. Zugleich stellt sie aber auch den Beginn der klassischen bürgerlichen deutschen Philosophie dar - jener Periode des philosophischen Denkens, die von Kant über Fichte und Schelling zu Hegel und Feuerbach führte und die - neben der klassischen bürgerlichen politischen Ökonomie sowie dem utopischen Sozialismus und Kommunismus - zu einer der theoretischen Quellen des Marxismus-Leninismus wurde.Kant und die klassische bürgerliche PhilosophieDas Gesagte deutet an, daß die Philosophie Kants als Moment eines größeren Ganzen gesehen werden muß: der klassischen bürgerlichen Philosophie. Unter klassischer bürgerlicher Philosophie ist die Entwicklung des philosophischen Denkens von Bacon und Descartes bis zu Hegel und Feuerbach zu verstehen. Es ist diejenige philosophische Bewegung, die die Interessen und Forderungen der aufstrebenden Bourgeoisie in ihren Systemen ausspricht, von diesen vorwärtsgetrieben wird, sie im Kampf gegen die überkommene und reaktionäre feudal-klerikale Ideologie fixiert und in einer eigenen Weltanschauung zu systematisieren und zu begründen versucht.Diese gegenüber der alten feudal-klerikalen Weltansicht neue bürgerliche Weltanschauung ist durch zwei Voraussetzungen gekennzeichnet: durch die Proklamierung der Aktivität des Menschen (des Subjekts) und durch die These von der Be-herrschbarkeit der objektiven Realität durch den Menschen kraft seiner Erkenntnisfähigkeit. Die klassischen bürgerlichen Philosophen haben dafür verschiedene Lösungen ausgearbeitet. Es ging ihnen jedoch letztlich immer darum, diese Voraussetzungen zu begründen. Sie umschrieben diesen Sachverhalt mit dem Begriff