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1. Rheumatologie und Physiotherapie
Die Behandlung rheumatischer Erkrankungen mit physikalischen Mitteln ist weltweit an- ^
erkannt. Patienten mit rheumatischen Erkrankungen werden vorrangig von Fachärzten f
der Inneren Medizin (speziell auch der Pädiatrie), der Orthopädie, der Physiotherapie und der Allgemeinmedizin betreut. Mit dem Übergang von der Spezial- in die Grundbetreu- ^
ung tritt eine Umkehr der Rangfolge für die genannten Fachgebiete ein. Der Bildungsin-halt sowohl auf dem Gebiet der Rheumatologie als auch auf dem Gebiet der Physiothe-rapie wird einerseits für die einzelnen Fachdisziplinen und andererseits in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich gestaltet. Eine enge Bindung zwischen Rheumatologie und Physiotherapie in der Aus- und Weiterbildung besteht dort, wo sich traditionsgemäß auch die medizinische Betreuung in dieser Einheit vollzieht (Klare 1961, Böni 1967, hemel-mann 1969, Franke et al. 1978). Gesetzlich fixiert und damit grundsätzlich möglich ist eine Spezialisierung auf dem Gebiet der Rheumatologie für den Fachvertreter der Physiotherapie in der Schweiz (Terrier 1961) und in der DDR (Otto 1976).
Rheumatologie und Physiotherapie befinden sich in den letzten Jahrzehnten in einer schnellen Entwicklung. Es besteht die Gefahr, daß der Physiotherapeut die Krankheitsbilder zu wenig differenziert betrachtet und daß der Rheumatologe die Physiotherapiemittel zu wenig differenziert nutzt oder aber, daß beide hinsichtlich der möglichen Therapieziele zu wenig übereinstimmen; um dies zu vermeiden, bedarf es einer Rheumatologischen Physiotherapie.
1.1. Begriffsbestimmungen
Der Begriff „Rheuma" wurde von Hippokhates (460—377 v.u.Z.) geprägt. In der hippo-kratischen Zeitepoche verstand man darunter einen „Fluß" aus dem Gehirn in die Körpergewebe; dies entsprach der klassischen Humoralpathologie (Seidel 1979). Seit Ballonius (1538 bis 1616) werden unter Rheuma oder Rheumatismus Schmerzen von wechselndem Charakter, besonders in den Gelenken und Muskeln verstanden (Edström 1972). Im Jahre 1911 vollzog v. Müller die Trennung in den entzündlichen und degenerativen Rheumatismus (Seidel 1979). Die Wörter „Rheuma" und „Rheumatismus" werden heute isoliert nicht mehr gebraucht, zumindest sind sie als Diagnosebezeichnungen nicht mehr akzeptabel.
Geläufig sind die Wortverbindungen „Rheumatische Erkrankungen" oder „Rheumatische Krankheiten". Es handelt sich hierbei um eine Sammelbezeichnung, wobei das Adjektiv „rheumatisch", zumindest lehrbuchmäßig, nicht definiert ist (Seidel 1979). Wir sollten nach Seidel (1979) unter rheumatischen Erkrankungen das verstehen, was sie wirklich sind: „Eine Vielzahl völlig unterschiedlicher Erkrankungen, die nur das Syndrom
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