Bővebb ismertető
ALS EIN EINGESTEHEN DER EIGENEN PERSON
Obzwar jenes »Wien um 1900« mehr und mehr (und mehr als es ihm guttut) beachtet und beackert wird, weiß man noch immer nicht so recht, wohin man das Phänomen Richard Gerstl (seinen phänomenalen Fall) schubladisieren soll. Er, selber jung, hat die »große Zeit« gekannt, noch ehe sie wirklich herangewachsen war. Als Teenager erlebte er die frühen Umtriebigkeiten der Secession (und konnte sich dafür nicht begeistern). Alle ihre wichtigen (und auch die unwichtigen) Ausstellungen wird er aber geradeso gesehen haben, wie er sich von den damaligen musikalischen Angeboten nichts entgehen ließ. Als viele der wichtigen Secessionisten der ersten Stunde aus der Secession wieder secessionierten (also 1905), war Gerstl dreiundzwanzig Jahre alt. »Alt« ist er aber nicht geworden. Drei Jahre später hat er sich erhängt (und auch das dem Vernehmen nach auf eine ziemlich drastische Weise).
Er war überhaupt nicht fein und elegant, auch wenn er durch seinen Vater, der ein Guldenmillionär gewesen ist, dazu gute Voraussetzungen gehabt hätte. Er war, so viel läßt sich heute mit Bestimmtheit sagen, ein nervöser Mensch. Das Leben, das er geführt, die Bilder, die er hinterlassen hat, erscheinen vielen (den meisten!) als ein großes (zu großes) Durcheinander von vielerlei Anlagen und Möglichkeiten, Richtungen und Ambitionen.
Vielleicht weil man sich mit Richard Gersti und seiner Kunst zu wenig auskennt, nimmt man beide lieber erst garnicht wirklich wahr. Dabei war er in jenem »Wien um 1900« eine der interessantesten (weü spannungsvollsten) Künstlerpersönlichkeiten, ein trotz seiner Jugend ungewöhnlicher Mensch mit außerordentlicher Witterung, vordringlich an Musikalischem interessiert, enthusiastischer jedenfalls als ihn z. B. die Malerei (und sogar die eigene) begeisterte und beschäftigte. Er las viel (z. B. Weininger und Freud, Wedekind und Strindberg, aber querfeldein auch Zurückliegenderes), lernte Sprachen und war einigermaßen stolz darauf, im Kreis um den damals künstlerisch noch nicht ganz zu sich selber ausgereiften und abgeklärten Arnold Schönberg als ein Mensch von Geist und Wissen respeküert zu werden.
Nicht nur weil es im Kreis, in dem er damals am liebsten verkehrte, naheliegend war, mit Kraus gegen Klimt zu polemisieren, hat er dessen mehr und mehr zum »Malmosaik« (wie es Hevesi nannte) erstarrende Malerei (wie alles nur Beschmückende!) nicht leiden mögen. Dem angeblichen Vorfall, daß er im renommierten Kunstsalon Miethke nicht ausstellen wollte, weil dort neben seinen Bildern auch noch einige