Bővebb ismertető
I.
I ch bin kein Historiker und kein Philologe der Musik. Es reizt mich nicht, in Bibliotheken und Archiven nach Material zu stöbern, das längst Bekanntes um mehr oder minder Belangloses vermehrt, und ich habe für diese Art der Arbeit nur dort Verständnis, wo es ihr glückt, aus bisher unbekannten oder unbeachteten Zusammenhängen auf Neues zu schließen, das Bild eines geliebten Meisters umzuzeichnen oder eines seiner Werke in ein ungeahntes Licht zu rücken. Aber sie reizt mich nicht. Viel eher erschiene es mir ergiebig, auf dem Fundament des Erforschten und Überlieferten ruhend, solch eine große Erscheinung aus der Perspektive des Heute zu betrachten, das Schaffen eines großen Tondichters auf seine wahre Lebendigkeit zu prüfen, sein Leben und sein Werk in Beziehung zu setzen und beides, dichterisch wahrhaft geschaut und gestaltet, zu gegenwartvoller Nähe zu bringen. Noch weit mehr und ganz anders aber entspricht es meinem Verlangen, im Dienst eines lebenden Künstlers zu stehen, zumal eines solchen, den ich nicht nur durch das Medium seines Werkes, sondern durch das seiner menschlichen Atmosphäre verstehen und lieben lernte, den ich unmittelbar erleben durfte und von dem ich mehr, zum wenigsten aber anderes aussagen kann als andere; weil sich diese andern in der Meinung, dann objektiver zu sein, künstlich distanzieren und sich dabei in Wirklichkeit meistens nur falsch einstellen; hauptsächlich aber, weil es mich einzig lockt, nur Selbstempfangenes zu erzählen, nichts nach fremden Berichten oder irgendwelcher „Literatur"; nur von solchen, deren Schaffen und deren Person mich das Glück nahebrachte, und nur so, wie ich es miterlebt habe: als unmittelbares Dokument eines Gleichzeitigen. Andere sehen ihre Aufgabe anders und werden sie vielleicht besser erfüllen, als ich die meine. Für mich gibt es keine frohere, als für Künstler einzustehen, die mir in ihrem Werk und ihrer Menschlichkeit viel gegeben haben; für sie Zeugnis abzulegen, ihr Wesen, ihre besondere Art anderen deutlich zu machen, zu ihrer Kunst hinzuführen, nicht durch Zergliederung, sondern durch Darstellung der von ihnen kommenden Bereicherung ein Mittler zu sein, die Empfangsbereiten, aber auch die Zögernden und Widerstrebenden etwas von dem Wunder ihrer Existenz spüren zu lassen, den Abseitsstehenden Lust zu machen, in den einzigartigen magischen Kreis zu treten, der das Wesentliche jedes Künstlers und Menschen umschließt, und des Rufens nicht müde zu werden.
II