Bővebb ismertető
Vorwort
Seit wir ihn kennen, ist er der weißhaarige, distinguierte Edelmann, von dem die Sekretärinnen der neunten Etage des Konrad-Adenauer-Hauses in Bonn schwärmen, dessen Charme, Witz und Vornehmheit sie rühmen, seine Fähigkeit, Menschen für sich einzunehmen. Einer, der stets zurückhaltend wirkt, aristokratisch imposant bleibt.
An was erinnert nicht sein Name? Eigentlich an alles, was Deutsche mit Vaterland zu verbinden scheinen. Er hat das Zeug - wie vielleicht nur Papa Heuss vor ihm-, ihr Übervater zu werden: geistvoll, erhaben, selbstbewußt, ein schwäbisch-protestantischer Preuße. Hinter dem Flair eines guten Namens schimmert ein wenig altmodische Galanterie auf, die Deutsche beeindrucken und gewinnen wird. Und nicht nur Deutsche.
Richard von Weizsäcker, Prototyp des gebildeten deutschen Wirtschaftsbürgers, hat industrielle Strukturen kennengelernt. Er ist ein Mann auch deutscher Trümmerzeit, der seine Überlebensproben abgeliefert hat. Die Jahre 1939 bis 1953 haben seine Weichen gestellt, halfen -biblisch gesprochen-, das Feste vom Wasser zu scheiden. Ihn umgibt die Aura konzentrierter Arbeitslust ebenso wie der Zauber weltmännischer Gelassenheit. Kaum etwas an ihm wirkt abgeblättert oder unregelmäßig verputzt. Er lächelt, als habe er das frustrierende Stadium deutschen Parteiengezänks längst hinter sich gelassen: verständnisvoll, würdig.
Sein Aufmerksamkeitsbegehren wurde bisher selten als unangemessen bezeichnet. Effekthascherei liegt ihm nicht. Die Wahl zwischen erzwungener Anpassung - an seine Partei - und temporärer Verkümmerung -im Dickicht des Berliner Alltags - hat er offensiv zu seinen Gunsten beendet. Ist am Ziel.
Um die Gesichter, Überzeugungen, Farben und Nuancen des neuen Bundespräsidenten schildern zu können, haben die Herausgeber zahlreiche Persönlichkeiten gebeten - Freunde, Gegner, alte Regimentskameraden, ehemalige Mitarbeiter, Betroffene, Beobachter, Theologen und frühere Kommilitonen -, jenen Mann zu beschreiben, der dieses Land als Staatsoberhaupt repräsentieren wird. Subjektive Erwägungen, biographische Skizzen und individuelle Erfahrungen helfen, den Konstitutionsprozeß Richard von Weizsäckers - mit seinen vielschichtigen Komponenten - dokumentarisch auszudeuten. Die Zeitzeugen, die in dieses Buch aufgenommen wurden, schaffen durch ihre persönlichen Anmerkungen ein tiefenwirksames Bild. Sage mir, mit wem du umgehst
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Werner Filmer/Heribert Schwan
Köln, April 1984
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