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Jahrzehnte lang tobte um Richard Wagner und seine Werke ein erbitterter Kampf. Doch mit beispielloser Zähigkeit hat dieser vielgeschmähte, mit fanatischem Haß verfolgte Mann in unerschütterlichem Glauben an seine Mission sich gegen eine Welt von Feinden durchgesetzt. Die Krönung seines Schaffens in Bayreuth hat der deutschen Oper für lange Zeit die Weltherrschaft errungen. Auf ,,Kreuziget ihn" folgte nun ,,Ho-siannah". Doch die Begeisterungswelle schoß bald weit über das Ziel, man war nun gegen alle andern Meister, namentlich Verdi, genau so ungerecht, wie zuvor gegen Wagner. Auch hierauf mußte schließlich die unausbleibliche Reaktion folgen. Im Grunde sind das alles aber Nebensächlichkeiten, Geschmacks- oder Mode-Launen, die mit dem inneren Wert der Erscheinung selbst nichts zu tun haben. Das Genie ist über Zeit und Gunst oder Ungunst der Menge erhaben. Das Gestirn Richard Wagners strahlt heute noch im alten Glänze. Wir sind nur heute, da aller Parteihader und Kampf verstummt ist, endlich so weit, unvoreingenommen die wirkliche Bedeutung von Wagners Werk im Rahmen der Gesamtentwicklung ab grenzen zu können. Und wenn wir auch jetzt erkennen, daß Wagner nicht, wie man einst glaubte, ein Beginn ist, sondern eine Vollendung, daß mit ihm nicht eine neue Richtung anhebt, sondern daß sein Werk den Abschluß einer Entwicklung, die Verwirklichung eines jahrhundertalten Traumes, einen unüberbietbaren Gipfel darstellt, so wissen wir auch andererseits, daß wir in diesem deutschen Meister einen der größten aller Zeiten zu verehren haben, und daß sein Schaffen, und in diesem deutsche Art und deutsche Kunst, unvergänglich sein werden.
Explosiv wie sein Künstlertemperament, das ihn von Höhen in jähe Tiefen stürzt, ebenso unstet, wild bewegt und in dramatischen Gegensätzen verstrickt, verläuft Wagners Lebensbahn. Eine Katastrophe scheint oft unvermeidbar, da geschieht ein Wunder. Aus einem dem Verhungern nahen Notenschreiber wird über Nacht ein lebenslänglich angestellter Hofkapellmeister, aus dem Staatsbeamten ein flüchtender Revolutionär, aus einem Verzweifelnden der allmächtige Günstling eines Königs; kaleidoskopartig wechseln blitzschnell Schauplätze, Menschen und Schicksale.