Bővebb ismertető
Wer um 1875 in Deutschland eine Kunstschule besuchen woll-
te, die frei war vom Kalk der Konvention und Routine, dem
wurde Weimar empfohlen. Verdrossen mußte ihr großherzog-
licher Gründer hinnehmen, daß er wider Willen den Realismus
gefördert hatte. Denn Lehrer und Schüler bekannten sich nach
französischem Vorbild immer freimütiger zur Wirklichkeit.
Vor allem die schlichte Natursicht der Meister von Barbizon
öffnete ihre Augen für die herbe Schönheit des Thüringer Lan-
des. Unter den deutschen Akademien stellte die Weimarer
nicht nur die jüngste dar, auch ihre Professoren waren durch-
aus keine Greise. Franz Lenbach oder der Belgier Alexandre
Struys zählten gerade vierundzwanzig Jahre, als man sie nach
Weimar rief. Es konnte wohl nur hier vorkommen, daß
Struys damit jünger war als sein eigenwilligster Schüler: der
verschlossene Holsteiner Christian Rohlfs, der neben dem
frühvollendeten, zur Melancholie neigenden Maler Karl
Buchholz zum Klassiker dieser Weimarer Malerschule werden
sollte. Doch darin erschöpft sich keineswegs Rohlfs' unge-
wöhnlicher Rang. Denn ihm, dem Altersgefahrten von Lieber-
mann und Trübner, gelang, was kein zweiter Maler seiner
Generation mit vergleichbarer Meisterschaft vollbracht hat:
vital und wandlungsfähig den weiten Bogen von der frühen
Freilichtmalerei bis zum Spätexpressionismus zu spannen. Die
Größe seines fast mythisch langen Schaffens wird bewußter,
wenn wir uns vergegenwärtigen, daß die Revolution von 1848
im Blute erstickte, als er geboren wurde, während bereits der