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EINLEITUNG
Die Bauwerke der Romanik - Dome, Abteien, Burgen, Türme und oft nur noch als Ruinen erhaltene Wehrmauern - vermögen unsere Generation wohl am nachhaltigsten durch ihre Monumentalität, Einfachheit und Formentschiedenheit zu beeindrucken. Es ist sicher kein Zufall, daß wir der Gotik, der Renaissance und auch dem Barock nicht so nahe stehen wie dem Archaischen und klar Gebauten der Romanik. Im Gegensatz zur Musik oder zur Dichtung des Mittelalters gehört die Baukunst dieser Epoche viel stärker zu unseren unmittelbaren Umwelteindrücken. Sie ragt aus einer frühen Zeit in unser Leben hinein. Wir werden fast täglich mit ihr konfrontiert, dürfen sie stets aufs neue erleben, uns ihrer Schönheit erfreuen und uns ihrer stilistischen Besonderheiten bewußt werden. Obwohl wir heute ganz andere Dimensionen und Maßstäbe gewöhnt sind, erschüttert uns die innere Größe romanischer oder auch gotischer Bauwerke immer wieder. Die Intensität dieser geistigen Auseinandersetzung hängt nicht nur von einer Aufgeschlossenheit für die künstlerische Ausdruckskraft der Bauwerke ab, sondern sie schließt auch exaktes Wissen um ihre Funktion ein, das heißt um den Zweck, den der Bau für seine Auftraggeber als Sakral-, Wohn- oder Wehrbau zu erfüllen hatte, wie er ursprünglich ausschaute und in welcher architektonischen Umwelt - Stadt, Dorf oder Landschaft - er damals stand. Große Schwierigkeiten bereitet es dem modern Erlebenden sich vorzustellen, daß die Bauten der Romanik meist schon seit Jahrhunderten leere - wenn auch großartige - Steingehäuse sind, ohne Polychromie der Wand- und Deckenmalerei, ohne das Leuchten der farbigen Fenster, ohne die Pracht der Ornate und der Liturgie und ohne den Prunk weltlich-feudaler Machtentfaltung deutscher Könige und Kaiser.
Es ist charakteristisch für die Baukunst des Mittelalters, daß die Bauwerke in langen Bauzeiten entstanden, die darüber hinaus noch oft durch Kriege oder Geldmangel unterbrochen wurden. In späterer Zeit erfuhren die Bauten vielfach Erweiterungen im Sinne von Modernisierungen sowie Ergänzungen oder sogar durchgreifende Veränderungen (besonders durch die aufwendigen und nicht immer historisch getreuen Restaurierungen des 19.Jahrhunderts). So treten wir heute in den meisten Fällen vor Bauwerke, die mehrere Bauepochen - häufig recht kompliziert -widerspiegeln.
Das römisch-deutsche Kaiserreich des frühen und hohen Mittelalters hatte andere territoriale Ausmaße als das Deutschland späterer Zeit: Oberitalien, die Schweiz, Österreich und die Niederlande z. B. gehörten dazu. Auch waren die Beziehungen zwischen den großen Kunst-zentren des damaligen West- und Mitteleuropa oftmals sehr weit gespannt. Darüber hinaus brachten Kriegszüge, Pilgerfahrten und der Fernhandel neues Gedankengut von weit her oder vermittelten Form- und Ideengut deutscher Kunst in andere Länder. Waren aller Art kamen vor allem aus dem Vorderen Orient, Byzanz, dem fernen Spanien; in dieses Land wurden auch Slawen (z. B. vom Grenzhandelsplatz Magdeburg) als Sklaven für maurische Feudalherren verkauft. Der Seehandel erschloß sowohl das Mittelmeer als auch die Nord- und Ostsee; die sogenannte Bernsteinstraße durchquerte das östliche Europa. Im Gefolge dieser weitreichenden wirtschaftlichen Verbindungen kam es zu schöpferischen Aneignungen und zu Verarbeitungen fremden Formengutes, die zu den erregendsten Komponenten romanischer Kunstgeschichte zählen. Wir sind gewöhnt, bei der Baukunst der Romanik vorwiegend an sakrale Architektur zu denken. Das liegt einmal an der Art der überkommenen Bauten - Kirchen galten in der Regel