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GELEITWORT
VON
EDUARD NORDEN
Theodor Mommsen und das alte Rom — wohl nur selten hat sich in der Geschichte der Geisteswissenschaften ein Gelehrtenname mit einer geschichtlichen Gesamtvorstellung so untrennbar zu einem Einheitsbegriffe verbunden. In Italien nannte man Mommsen gern „il gran Teodoro": der Vorname genügte. Auch im Deutschland des 19. Jahrhunderts gab es kaum einen so populären Gelehrten wie ihn. Und doch hat er sich um Popularität nie bemüht. Wohl war er ein Volksfreund, aufgeschlossen für echtes angestammtes Volkstum, das ihm, väterlicherseits dem Abkömmling eines wenigstens 250 Jahre altennordfriesischen Bauernstamms, im Blute lag. Aber seine wahre Heimat war doch das Reich des Geistes. Wenn nun er, ein Gelehrter im höchsten Wortsinn, ja gewissermaßen die Inkarnation der Gelehrsamkeit selbst, sich einer 80 ungewöhnlichen Volkstümlichkeit erfreute, daß beispielsweise auf der Bühne und in Tagesbildern der Professorentypus noch heutzutage die Züge seines Kopfes zu tragen pflegt, so erklärt sich das aus einer einzigen Tatsache: unter den mehr als 1500 Titeln seiner Schriften lautet in lapidarer Kürze einer: „Römische Geschichte von Theodor Mommsen". Dieses Werk begann sofort nach dem Erscheinen seinen Siegeslauf. Eine Auflage folgte der anderen, nach und nach wurde es in neun europäische Sprachen übersetzt und, was vielleicht noch mehr besagen will, Stücke aus ihm gingen in unsere deutschen Lesebücher, auch in die der Mittelschulen ein. Hier haben sie bis auf die Gegenwart ihren Platz behauptet, so daß der Knabe oder das Mädchen, welchem Berufe sie sich auch dereinst widmen mögen, sie als Besitz auf ihren Lebensweg mitnehmen. Es gibt wohl nicht viele andere Beispiele, daß ein und dasselbe Werk Dauerwerte in sich birgt für Gelehrte, die in Zustimmung oder Widerspruch Stellung zu ihm nehmen, für ein geistig angeregtes, aber nicht fachmäßig vorgebildetes Lesepublikum, für Politiker, Journalisten und Literaten der verschiedensten Richtungen. Und das bei einem Werke, das keinen sogenannten aktuellen, in den Interessenkreis der Gegenwart gestellten Stoff behandelt, sondern die Geschichte eines Volkes der Vergangenheit. Die Aufgabe, das Einzigartige dieses literarischen Phänomens zu ergründen, ist reizvoll, aber nicht völlig lösbar: die Tat eines Genies -T- denn nur ein Genie vermag sie zu vollbringen •— ist nun einmal als solche da, total, einmalig, aus Urgründen entsprungen, die sich einer verstandesmäßigen Analyse, einer Auflösung in ihre
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