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Eins
Sie kommt an einem Septembermorgen, in einer dürren Jahreszeit, die keinen Regen bringt. Sie ist ganz in Rot gekleidet. Blutrot. Wie ein Menschenopfer an die Götter, um Regen heraufzubeschwören. Wie eine Braut.
Am Haupttor will man ihr vom Pferd helfen. Die Frauen der Familie bekommen sie nicht zu fassen, ihre Hände greifen ins Leere. Saba schwebt in der Luft, sie seufzt, ihr Gesicht gleicht einem zersprungenen Spiegel. Wie auf dem einzigen Foto dieses endlos langen Tages. Der rote Schleier verbirgt ihre feuchten Augen.
Die Schwiegermutter steckt ihr zwei kleine Brote unter die Arme und schiebt sie ins Haus. Die Brote sind ein Symbol für Fruchtbarkeit. Aber die Fruchtbarkeit, die sich die Schwiegermutter erhofft, wird sie nicht mitbringen.
Ihr Mann sieht sie nicht einmal an. Er feiert mit Freunden. Er hat noch ein ganzes Leben Zeit, sie anzusehen.
»Dieser gerupfte Vogel ist das Los meines Sohnes«, sagt die Schwiegermutter.
»Nun, der zweite Stern glüht niemals so hell wie der erste«, antwortet eine Alte.
Es ist Omers zweite Ehe. Der erste Stern ist vor vielen Jahren erloschen. Die verstorbene Frau war Sabas Schwester. Tod im Wochenbett. Es schneite seit Tagen ununterbrochen,