Bővebb ismertető
HENRI ROUSSEAU
» Nicht ich bin es, der diese Bilder malt, » Ich dachte an meinen großen alten Freund Henri Rousseau,
sondern ein anderer, der mir die Hand führt«. diesen Homerin der Portiersloge, dessen prähistorische Träume
^ ^ mich manchmal in die Nähe der Götter versetzt haben A
MAX BECKMANN (1938)
I
Unter dem großen Strom der Kunstentwicklung hat es stets so etwas gegeben wie ein unbewegliches Flußbett, ein Grundwasser oder einen » Bodensatz «, der nicht mitfließt und überall so ungefähr der gleiche bleibt: elementare Betätigung mit Stift, Pinsel und Farbe, die an dem, was die Kunst jeweils an » Können « hervorbringt, was man also erlernt (wenn man dazu begabt ist), kaum teilnimmt. Wir dürfen diese Betätigung nicht einmal mit der sogenannten primitiven Kunst, wie wir sie in den Völkerkundemuseen finden, gleichsetzen, geschweige mit den eigentlich archaischen Entwicklungsstufen der Hochkulturen. Gewiß bestehen Beziehungen. Auch bei den Archaikern ist die Kenntnis der europäischen Zentraiperspek-tive noch nicht gesichert, auch hier kennt man noch keine exakte Schattenkonstruktion mit ihren körpermodellierenden, Tiefenraum schaffenden Möglichkeiten. Auch bei ihnen bleibt das Gesetz der Gestaltung noch » ideoplastisch «: sie geht, ähnlich wie die Bilderschrift, von vorstellungsmäßigen Grundformen aus - etwa dem reinen Profil und der Frontansicht nicht von den verwirrenden Sinneseindrücken des Zufalls. Beide, die » Zeitlosen « wie die » Frühzeitigen setzen noch eine aneinanderreihende (koordinierende, additive) Denkweise voraus, ähnlich einer epischen Sprache, die sich nur schlichter Hauptsätze bedient. Mit dem Reihungsprinzip (das aber keineswegs bewußt angewendet wird) ist immer noch, soweit Figuren in Frage kommen, die gleiche Kopfhöhe verbunden, soweit die Größenunterschiede sich nicht nach dem Rang der gemeinten Personen richten.
Doch solche und andere Gemeinsamkeiten dürfen uns nicht übersehen lassen, daß es bei den Archaikern schon so etwas wie eine » Hohe Schule «, eine oft bis zum Virtuosentum gesteigerte Perfektion gegeben hat (man denke an die alten Ägypter, an die frühen Niederländer), ganz abgesehen von der Fülle schwer zu bewältigender Inhalte. Das alles fehlt bei jenen i> Un-Gebildeten «. Kann darum bei ihnen überhaupt schon von Kunst die Rede sein? In vielen Fällen durchaus! Denn schon auf dieser Ebene können die Züge dessen, was an der Kunst wesentlich ist, sichtbar werden, jene Uraniagen, die unabhängig von der Bildungsstufe schon ihre eigene Schönheit und ihren eigenen Charakter entfalten. Auf der anderen Seite kann es aber auch so sein, daß sich jenes stehengebliebene Anfängertum nicht als knospenhafte Möglichkeit darstellt, sondern als barer Mangel, schlechthinniges Unvermögen. In diesem Falle stoßen wir auf das Dilettantische im schlechten Sinne, auf eine Hilflosigkeit, die nicht vielversprechend rührt, eher unfreiwillig komisch wirkt. Natürlich gibt es auch Zwischenstufen und Ubergänge.
Elementare Kumtbetätigung - also solche von positiver Qualität - ist uns in drei Hauptformen gegeben: als bildnerisches Spiel der Kinder, als Bauernkunst und als Laienmalerei der » kleinen Leute «. Die erstgenannte Betätigung ist, sofern es sich nicht um Nachahmen der Erwachsenen oder abnorme Frühreife handelt, noch kein bewußtes Gestalten, kann aber gerade darum die Elemente des Künstlerischen offenbaren. Die Bauernmalerei - trotz aller nationalen Unterschiede überall ähnlich auftretend - steht der kindlichen oft recht nah. Aber naturgemäß bleibt zwischen der » Naivität « eines Kindes und der eines