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Rubens [antikvár]

Rubens [antikvár]

 
EINLEITUNG Rubens wird heute noch viel bewundert, aber man liebt ihn nicht mehr so wie früher. Zu seinen Lebzeiten war er in Mode, berühmt und erfolgreich. Seine Intelligenz stand seinen künstlerischen Fähigkeiten nicht nach; aus Hunderten von Briefen erfahren wir etwas von seinen Aufträgen, seinen Ansichten und seinem Geschmack. Wir wissen über Rubens weit mehr als über Rembrandt, und doch ist sein Leben, das sich teils in häuslicher Zurückgezogenheit, teils auf dem Boden internationaler Diplomatie abspielte, kaum in das...
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EINLEITUNG Rubens wird heute noch viel bewundert, aber man liebt ihn nicht mehr so wie früher. Zu seinen Lebzeiten war er in Mode, berühmt und erfolgreich. Seine Intelligenz stand seinen künstlerischen Fähigkeiten nicht nach; aus Hunderten von Briefen erfahren wir etwas von seinen Aufträgen, seinen Ansichten und seinem Geschmack. Wir wissen über Rubens weit mehr als über Rembrandt, und doch ist sein Leben, das sich teils in häuslicher Zurückgezogenheit, teils auf dem Boden internationaler Diplomatie abspielte, kaum in das allgemeine Bewußtsein gedrungen. Seine Lebensumstände sind zu äußerlich auf seine Kunst bezogen worden, ohne daß es damit gelungen wäre, sein Verhältnis zur Malerei zu erhellen. Tatsächlich war Rubens immer etwas »suspekt«, und heutzutage findet man ihn nicht selten unaufrichtig und vulgär. Die Pracht seiner Bilder und die unglaubliche Schnelligkeit und Leichtigkeit, mit der er arbeitete, imponieren dem zwanzigsten Jahrhundert weniger als seinen Zeitgenossen. Und es gibt noch mehr Hindernisse, die sich einer rückhaltlosen Bewunderung von Rubens' Kunst entgegenstellen. Er war ein frommer Katholik, der häufig im Dienst religiöser Propaganda - zum Beispiel der jesuitischen - arbeitete, und viele, die dieses Buch lesen, sind vermudich in der protestantischen Tradition erzogen worden. Sein weibliches Schönheitsideal ist weit von zeitgenössischen Vorstellungen entfernt. Er gebraucht oft schwierige Symbole und allegorische Figuren, die früher jedem geläufig waren, deren Bedeutung jedoch heute in Büchern nachgeschlagen werden muß. Wir wenden unsere Zuneigung leichter Malern wie Rembrandt zu, dessen Werk durchaus nicht mit den künstlerischen Anschauungen des siebzehnten Jahrhunderts übereinstimmte. Wir lieben Rembrandts Kämpfe, seine Einsamkeit und Introvertiertheit. Bei Rubens deutet nicht einer seiner vielen Briefe auf eine Neurose oder schöpferische Krise; ja, es irritiert uns geradezu, wenn sich ein Künstler öffentlich derart rühmt, wie Rubens es in einem Brief aus dem Jahr 1621 getan hat: »Mein Talent ist so beschaffen, daß es mir niemals an Mut gebricht, jeden Vorwurf in Angriff zu nehmen, wie groß der Umfang und wie vielgestaltig der Inhalt auch sein mögen.« Es ist unerfreulich zu lesen, wie Rubens seine eigenen Werke empfiehlt und den Appetit seiner Auftraggeber reizt, indem er ihnen »viele schöne Nacktheiten« verspricht. Solche Einwände gegen Rubens sollten nicht ohne weiteres beiseite geschoben werden. Wir müssen zugeben, daß dieser Künstler Freude an der Darstellung von nackten Frauen und Vergewaltigungen hatte; und wenn wir die Reaktionen des siebzehnten Jahrhunderts untersuchen, bemerken wir, daß zumindest in England gewisse Vorbehalte laut wurden gegen die Art der mythologischen Gemälde, die Rubens für das Schlafzimmer der Königin in Greenwich anfertigen sollte. Der Vermittler dieses Auftrages war angewiesen, darauf zu achten, daß der Maler keine »betrunkenen Phantasiegötter« liefern würde. Ein Blick auf das Bacchanal in Dresden - durchaus keine Verkörperung dionysischen Überschwangs im Stil der Renaissance, sondern eine brutale Beschreibung körperlicher Impotenz - zeigt uns genau, was die Besteller zu fürchten hatten. Es gibt bei Rubens große Niveauunterschiede, sowohl in den Anforderungen, die er an sich selber stellte, als auch in der Ausführung seiner Werke. Ein derart vielseitiger und schnellschaffender Künstler konnte nicht immer die tiefste Konzentration für seine jeweihge Arbeit aufbringen. Er

Termékadatok

Cím: Rubens [antikvár]
Kiadó: Pawlak Verlag GmbH
Kötés: Varrott keménykötés
Méret: 230 mm x 310 mm
Bolti készlet  
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