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Mary Stewart - Rubin mit kalten Augen [antikvár]

Rubin mit kalten Augen [antikvár]

Mary Stewart

 
IDas Hőtel du Pimené in Gavarnie ist nach dem hohen Pyrenäengipfel benannt, in dessen Schatten es frühmorgens liegt. Jenseits der Bäume, die den Vorhof abschirmen, verläuft die Straße nach Lourdes ; durch die enge Felsenschlucht unmittelbar hinter dem Hotel tost und schäumt der Gave de Pau auf seinem Weg von dem hoch in den Bergen gelegenen Arenagrund des Cirque de Gavarnie zu den trägen Windungen seines Flußbettes in den Niederpyrenäen. Die Fenster des Speisezimmers öffnen sich auf diese kleine Schlucht, so daß man vom Tisch aus...
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IDas Hőtel du Pimené in Gavarnie ist nach dem hohen Pyrenäengipfel benannt, in dessen Schatten es frühmorgens liegt. Jenseits der Bäume, die den Vorhof abschirmen, verläuft die Straße nach Lourdes ; durch die enge Felsenschlucht unmittelbar hinter dem Hotel tost und schäumt der Gave de Pau auf seinem Weg von dem hoch in den Bergen gelegenen Arenagrund des Cirque de Gavarnie zu den trägen Windungen seines Flußbettes in den Niederpyrenäen. Die Fenster des Speisezimmers öffnen sich auf diese kleine Schlucht, so daß man vom Tisch aus auf die dumpfigen Steinplatten der Brücke blicken kann, über die es zum Pic du Primené geht.An einem dieser Fenster saß am fünften Juli, einem glühendheißen Tag, die zweiundzwanzigjährige Jennifer Silver und aß exzellent zu Mittag. Sie war nicht zum ersten Male in Frankreich, und sie genoß das berauschende Gefühl des Wiederentdeckens, das dieses Land immer wieder in all denen wachruft, die es lieben. Und das kleine Eßzimmer mit seinem munter schwatzenden kosmopolitischen Publikum, dem exotischen Geruch nach gutem Essen und Wein und dem herrlichen Blick aus seinen Fenstern vermittelte den Eindruck, daß es unendlich weit war bis Oxford, wo Jennifer zu Hause war. Wiederum aber vielleicht doch nicht so weit, denn vom nächsten Tisch, an dem zwei Frauen mittleren Alters saßen, die ungeachtet des schönen, südlich warmen Vormittags Tweedkostüme trugen und sehr derbe Schuhe, erreichten Jennifer Gesprächsfetzen einer auf englisch geführten Unterhaltung, die ganz entschieden einen Anflug neuerer Alchimie hatte. Meine liebe Miß Moon - am Ende einer Gabel, die belehrend auf und ab bewegt wurde, schwankte der appetitliche Bissen einer schmackhaften truite maison -, wie Sie wissen, ist nach allgemeinem Dafürhalten die durch die Gravitation bedingte Trennung von hartem und weichem Gestein wesentlichfür die Entstehung solch einer Gesteinsschichtung. Und an den Felsen dieser Gegend hier zeigt es sich, daß es sich hier um einen engräumig rhythmischen Schichtenbau handelt. Ja, da stimme ich völlig mit Ihnen überein, Miß Shell-Pratt. Miß Moon bearbeitete ihre Forelle mit der hartnäckigen Tüchtigkeit und dem Geschmacksempfinden eines Bulldozers. Genau, wie Steinbascher und Blitzstein schon in ihrer großartigen Einführung in die Ursprünge der Magmatitén durch Differen-ziationen schrieben, sind die Troktoliten . . . Aber da brachte die Kellnerin, eine hübsche dunkelhaarige Bor-delesin, die croquettes de ris de veau a la Parmentier, pommes de terre sautées und petits pois en beurre, so daß Jennifer verständlicherweise ein Großteil dieses faszinierenden Gedankenaustausches entging. Dafür machte sie wieder einmal die wundervolle Entdeckung, daß simple Völlerei zu den reinsten menschlichen Vergnügungen zählt. Unterwegs war die Verpflegung zwar gut und ausreichend gewesen, aber mehr auch nicht; dies dagegen, dachte sie, während sie die Brieschen mit einem großen Schluck topasfarbenen Weines hinunterschluckte, war der wirklich verheißungsvolle Beginn eines Urlaubs, der auf etwas merkwürdige Weise zustande gekommen war. Plötzlich fiel ihr Gillians Brief wieder ein, den sie in der Tasche bei sich trug, und einen Moment lang runzelte sie ein wenig die Stirn. Doch das hatte Zeit; während ihrer dreitägigen Anreise von Oxford hatte sie es entschieden abgelehnt, sich diesbezüglich Sorgen zu machen, und sie wollte jetzt, da sie Gillian bald persönlich sprechen konnte, nicht noch damit anfangen. Aber als eine Meringue Chantilly die Brieschen ablöste und am Nachbartisch Hypersthengabbro den Troktoliten folgte, kreisten ihre Gedanken gegen ihren Willen doch um die Ereignisse, die dazu geführt hatten, daß sie heute morgen in diesem kleinen Hotel in den Pyrenäen angekommen war.Jennifer, deren Vater an der Universität in Oxford Professor der Musik war (Sie werden sich gewiß erinnern, daß seine Achtunddreißig Variationen über die fünfte von Beethovens dreiunddreißig Variationen über einen Walzer von Diahelli ig^^hei den Edinburgher Festspielen die Sensation war), hatte fast ihr ganzes Leben lang in Cherry Close gewohnt, einem hübschen alten

Termékadatok

Cím: Rubin mit kalten Augen [antikvár]
Szerző: Mary Stewart
Kiadó: Bertelsmann GmbH.
Kötés: Fűzött keménykötés
Méret: 120 mm x 190 mm
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