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Ruhm und Ehre [antikvár]

Ruhm und Ehre [antikvár]

 
Martin Walser Nobel und die Nobelpreisträger Vorwort Als Alfred Nobel im Alter von 63 Jahren am 10. Dezember 1896 starb, hinterließ er 1500000 Kronen, die unter seinen Verwandten, Freunden und Mitarbeitern aufgeteilt werden sollten. Den ungleich größeren Teil seines Vermögens, etwas über 33 Millionen Kronen, bestimmte er für eine Stiftung. In seinem Testament heißt es: »Das Kapital, von den Testamentsvollstrek-kern in sicheren Wertpapieren realisiert, soll einen Fonds bilden, dessen jährliche Zinsen als Preise denen zugeteilt...
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Martin Walser Nobel und die Nobelpreisträger Vorwort Als Alfred Nobel im Alter von 63 Jahren am 10. Dezember 1896 starb, hinterließ er 1500000 Kronen, die unter seinen Verwandten, Freunden und Mitarbeitern aufgeteilt werden sollten. Den ungleich größeren Teil seines Vermögens, etwas über 33 Millionen Kronen, bestimmte er für eine Stiftung. In seinem Testament heißt es: »Das Kapital, von den Testamentsvollstrek-kern in sicheren Wertpapieren realisiert, soll einen Fonds bilden, dessen jährliche Zinsen als Preise denen zugeteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben.« Das war klar und undurchführbar formuliert. Wenn jemand der Menscfüieit einen großen Nutzen bringt, erfährt man das meistens erst später. Die Testamentsvollstrecker haben deshalb dem »größten Nutzen« mehr Wichtigkeit beigemessen als dem Zeitpunkt, in dem er gebracht wurde. In den Naturwissenschaften soll, nach Nobel, der »Nutzen« in der »wichtigsten« »Entdeckung oder Erfindung« oder »Verbesserung« zu finden sein. Den Friedens-Preis soll der bekommen, der »am meisten oder besten für die Verbrüderung der Völker gewirkt hat, für die Abschaffung oder Verminderung der stehenden Heere, sowie für die Bildung oder Verbreitung von Friedenskongressen . . .« Den Literatur-Preis soll der bekommen, »der in der Literatur das Ausgezeichnetste in idealistischer Richtung hervorgebracht hat«. Dank der genauen Weisung in die »idealistische Richtung« kann die Jury eigentlich niemals in lähmende Zweifel geraten. Es hat, wenigstens bis heute, immer Schriftsteller gegeben, die Ausgezeichnetes in »idealistischer Richtung« hervorgebracht haben. In der literarisch interessierten Öffentlichkeit ist diese genaue Weisung Nobels in Vergessenheit geraten; vielleicht ist sie niemals richtig bekannt gewesen. Wenn alljährlich die Nachricht aus Stockholm eintrifft, kann man in der Zeitung immer wieder lesen, daß der und der Kritiker den und jenen Schriftsteller für noch würdiger gehalten hätte. Und wer die Liste der preistragenden Schriftsteller mustert, ist immer in Gefahr, bei dem und jenem Namen von einem Irrtam der Jury zu sprechen; etwa so: Hamsun Ja, aber Steinbeck Nein; Beckett Ja, aber Agnon Nein. So urteilt, wer, erstens, glaubt, man könne in der Literatur wie auf der Aschenbahn Zehn-Null, Zehn-Eins, Zehn-Zwei laufen, und wer, zweitens, glaubt, die Nobel-Jury sei die Meß-vorrichtung, die darauf geeicht sei, nichts als den Jahresbesten herauszumessen. Zweifellos sind manche der Preisträger selbst von dieser Meinung eingenommen gewesen, d. h., sie hielten sich, als der freudige Schrecken der Nachricht einigermaßen abgeklungen war, sozusagen von Stunde zu Stunde mehr für die schlechthin Besten; sie vergaßen, daß ihre Auswahl jener genauen Weisung in die »idealistische Richtung« zu danken gewesen sein mag. Inzwischen gibt es 6j Literaturpreisträger, zwei (Pasternak und Sartre) haben den Preis nicht angenommen, 25 ließen sich bei der Zeremonie in Stockholm vertreten. Im Durchschnitt waren die Preisträger 62 Jahre alt, im Durchschnitt erhielten sie den Preis 14 Jahre vor ihrem Tod, im Durchschnitt werden also Gewinner des Nobelpreises für Literatur 76 Jahre alt. Von den 49 bis jetzt gestorbenen Preisträgern wurden 22 Preisträger 80 Jahre und älter! Das ist einmal ein ganz anderes Bild vom Dichter. Nicht der glühend hinfällige, rasch weggeraffte Jüngling, den die Götter so sehr lieben, daß sie es - von Keats bis Borchert - ohne ihn nicht mehr aushalten, sondern eine zähe, wetter- und zeitfeste Galerie von Grauriesen, die schier nicht mehr lassen können von der Erde, auf der sie sich so ausgezeichnet haben. Der Nobelpreis für Literatur wird zum Ausweis für arg ianges Leben und eine Art Garantie für Unsterbfichkeit bei Lebzeiten; eine andere ist sowieso nichts ais Wortbescherung für das Kind im Erwachsenen. Hat Alfred Nobel es so gewollt? Daß aus seiner Verfügung eine Art Orden entstehen würde und ein Gütezeichen für Spitzenqualität, eine allerhöchste Handeismarke und ein unvergleichlicher Verstärker für Ruhm, das hat er wahrscheinlich weder gewollt noch nicht gewollt, er hatte einfach etwas Bestimmtes, etwas ganz anderes im Sinn. Leute, die sein Leben genau studiert haben, berichten, daß er sich als Erfinder, als Inhaber von 3;; verschiedenen Patenten in vielen Ländern, den Wissenschaftlern verpflichtet fühlte; er hat, zum Beispiel, als er in verschiedenen Ländern seine Sprengstoff-Fabriken einrichtete, die italienische Fabrik nach Avigliana verlegt; das ist die Heimat Ascanio Sobreros (1B12-1888), der 1846 das Nitroglycerin entdeckte, den Nobel nach 1870 als Berater berief, dem er später in Avigliana ein Denkmal errichten ließ. Da ein Wissenschaftler damals schlechter gestellt war als heute, wollte Nobel zweifellos durch seine Preise wichtige Arbeiten befördern helfen. Daß seine Preise diese Aufgabe heute längst nicht mehr erfüllen können, ist klar; dazu ist Forschung um einiges zu teuer geworden. Sie können also in der Naturwissenschaft wirklich nur noch nachträgliche Auszeichnung sein. Warum aber hat dieser Mann einen Friedenspreis und auch noch den Literaturpreis gestiftet? Es ist nicht leicht, sich von diesem Mann kein falsches Bild zu machen. Er hat sich gegen Ende seines Lebens einmal als »eine Art von Sozialdemokrat« bezeichnet. Das Wort hatte damals einen Klang, den wir uns heute kaum mehr vorstellen können. Um einen ähnlichen

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Cím: Ruhm und Ehre [antikvár]
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Kötés: Vászon
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