Bővebb ismertető
AUFTAKT
Entdecken Sie Rumänien!
Zwischen Karpaten und Schwarzem Meer -ein ganz persönlicher Bericht über ein nahes fernes Land
Ich hatte mich an alles gewöhnt: an Tankstellen ohne Benzin, vor denen trotzdem lange Schlangen standen; an die tiefsten Schlaglöcher, die von unschuldigen Pfützen getarnt waren wie Raubtierfallen; an die Pferdefuhrwerke, die in der finstersten Nacht gemütlich auf der Straßenmitte heimwärts zockelten, natürlich ohne Licht (man muß ja sparen). Das alles kam mir nach zwei, drei Tagen völhg normal vor. Auch ich schaltete die Auto-scheinwerfer erst ein, wenn wirklich nichts mehr zu sehen war. Schließlich wollte ich mitsparen.
Dann fuhr ich ein Stückchen Autobahn, nur 16 km, vierspurig. Ein Traum! Träumte ich? Da vorne war einer unterwegs, auf der rechten Fahrbahn, zu Fuß, mit dem Rucksack auf der Schulter. Und dann noch einer und noch einer. Sie winkten freundÜch, als wir mit 130 Sachen vorbeischössen. Und dann stand einer an der linken Fahrbahn, eigentlich auf der linken Fahrbahn. Er reckte den Autos eine Kiste mit blauen Weintrauben entgegen. Ein Trau-
Paßstraße im Fägära^-Gebirge
benverkäufer! Im Vorbeirauschen sah ich noch, wie er sich wunderte, daß ich nicht stoppte und kaufte. Man muß sich das in Mitteleuropa vorstellen, die Warnung im Verkehrsfunk: »Achtung! Auf der Autobahn soundso kommt Ihnen auf dem linken Fahrstreifen zu Fuß ein Traubenverkäufer entgegen!« Wo war ich?
Am Abend saßen wir mit Freunden bei einer Fischsuppe und etlichen Flaschen Wein beisammen, und redeten über Wertigkeiten: Was bringt mehr? Ein paar Minuten Zeitgewinn oder eine Handvoll frischer, süßer Trauben? Rasen oder ruhen?
Unterwegs in Rumänien. Unterwegs in einem chaotischen Land. Europa - und doch so unendlich weit davon entfernt. In Kilometern kaum zu messen, eher in Gefühlseinheiten auf der nach oben und unten offenen Sympathie-Wut-Skala. Das Land ist arm auf eine Art, die Mitteleuropäer, auch die aus dem Osten, gar nicht richtig begreifen können. 200 Prozent Inflation, oder sind es 300? Das sind Zahlen; aber was heißt das? Ein Studienrat verdient umgerechnet etwa 60-70 Mark im Monat. Davon