Bővebb ismertető
EditorialWenn sich die vorliegenden Spiegelungen dem Thema Rumäniendeutsche und Nationalsozialismus widmen, kann dies nur als ein einzelner, wenn auch unübersehbarer Pflock in einem noch abzusteckenden Terrain verstanden werden. Zwar ist die Forschung zur faschistischen Phase bei den Volksdeutschen bereits den Kinderschuhen entwachsen, harrt aber insbesondere im Falle der Rumäniendeutschen einer vertieften Untersuchung. Kommunistische Unterdrückung, Massenemigration und die Wende ließen andere Themen in den Mittelpunkt rücken - und vielleicht kam die nach 1989 augenfällig dringendere Aufarbeitung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die in leuchtendem Signalrot die braunen Schatten übertünchte, manchem gar nicht ungelegen.Als Gastherausgeber für den wissenschaftlichen Schwerpunktteil dieser Ausgabe haben Dr. Ulrich Andreas Wien, Dirk Schuster und Timo Hagen eine Auswahl von Texten zusammengestellt, die sich dem Thema Nationalsozialismus bei den Rumäniendeutschen sowohl quellenbasiert als auch theoriegeleitet annähern. Die Basis dafür lieferten Vorträge des von der Universität Koblenz-Landau, dem Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde und dem ikgs veranstalteten Internationalen Workshops Geschichte des Nationalsozialismus in Siebenbürgen/Rumänien, der im vergangenen Jahr in Landau stattgefunden hat. Die Veranstaltung stand auch einem interessierten Laienpublikum offen. Zum analytischen Duktus gesellten sich also auch Bestürzung und Widerspruch. In den Debatten zwischen Forschern und Betroffenen (manchmal auch beides in einer Person, sowohl in erster als auch in zweiter Generation) wurde deutlich, dass es einer Entemotionalisierung der Thematik und einer Professio-nalisierung des wissenschaftlichen Zugangs zu Gunsten einer analytisch orientierten Herangehensweise an diesen schwierigen historischen Stoff bedarf.Eine kritisch-distanzierte Perspektive, die wohl eher eine jüngere Generation einzunehmen vermag, darf jedoch nicht darauf verzichten, die - aus naheliegenden Gründen immer weniger werdenden - Zeitzeugen zu Wort kommen zu lassen: Wie sehr die beiden Vertreter der Erlebnisgeneration, die ergänzend zu den wissenschaftlichen Beiträgen auf die Bitte der Herausgeber hin ihre Sicht auf die Kriegsjahre darlegen, mit der Unentrinnbarkeit der (kollektiven) Biografie hadern und um eine Objektivierung der eigenen Subjektposition ringen, zeichnet die beiden Professoren Dr. Konrad Möckel und Dr. Paul Philippi besonders aus. Einen Ausweg aus der Doppelmühle zwischen endogener Apologetik und exogener Pauschalverurteilung weisen jedoch auch diese beiden Texte nicht. Das kann aber auch nicht der Zweck von Zeitzeugenschaft sein. Sie bleibt zwangsläufig subjektiv - und dies ist gleichzeitig ihre