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DAS RUSSISCHE MUSEUM IN LENINGRAD wurde 1898 im ehemaligen Michail-Palais als Museum iür bildende Künste eröffnet. Doch bereits im Grilndungsjahr zählten zum Museumsbestand auch erstklassige Werke der angewandten Kunst. Zu diesen ersten Sammlungsobjekten gehörten Möbel, Bronzeleuchter, aus Naturstein geschnittene Schmuckvasen und andere Ausstattungsgegenstände des 1819/2,5 für den Großfürsten Michail erbauten Palais, die nach Entwurfszeichnungeii des Architekten Carlo Rossi gearbeitet wurden. Nach der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution wurde der Museumsbestand durch weitere wertvolle Werke der angewandten Kunst bereichert. Gegenstände aus Porzellan, Glas und Metall, Schnitzereien aus Bein und Holz, Möbel und Gewebe stammen aus dem Winterpalais und der Ermitage, den außerhalb der Stadt gelegenen Zarenresidenzen, den Museen der Stieglitz-Kunstgewerbeschule und der Gesellschaft zur Förderung der Künste sowie aus nationalisierten Privatsammlungen.
Ende der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts war bereits der heutige Charakter und das hohe künstlerische Niveau der Sammlung des Russischen Museums voll erkennbar. Aber bis heute wird der Bestand durch Neuerwerbungen systematisch ergänzt. In den letzten Jahren wurde er durch einzigartige Kunstgegenstände bereichert, die zu den Glanzstücken des nationalen Kulturguts gehören. Außerdem konnten neue Fachabteilungen geschaffen werden, die bis dahin entweder völlig fehlten oder nur durch wenige Exponate vertreten waren.
Heute ist das Russische Museum in Leningrad das einzige Museum der russischen Kunst, in dem neben reichhaltigen Sammlungen der Malerei, Plastik und Graphik die dekorative angewandte Kunst umfassend vorgestellt ist. Viele Abschnitte der ständigen Ausstellung sind ihrem künstlerischen Wert und der Vollständigkeit nach einzigartig. Die Bedeutung, die heute der dekorativen angewandten Kunst in der Museumssammlung zukommt, bildete sich, wie eingangs erwähnt, erst allmählich heraus. Anfangs wurde nur ein geringer Teil an Gobelins, Mosaiken, Möbel, Porzellan und Bronze in der Gemäldeausstellung gezeigt. In der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre fanden dann die ersten Sonderausstellungen aus dem Museumsfundus statt. Auf der Ausstellung des Jahres 1957 wurden erstmals fast sämtliche Teilgebiete der dekorativen angewandten Kunst vorgestellt. 1960 eröffnete das Russische Museum eine ständige Ausstellung der russischen angewandten Kunst vom 18. bis Anfang 20. Jahrhundert in eigens dafür eingerichteten Sälen des rechten Palaisflügels. Fast alljährlich werden aus den Reservebeständen zeitlich begrenzte Sonderausstellungen veranstaltet, die es den Besuchern ermöglichen, ihre Vorstellung von der im Russischen Museum aufbewahrten Sammlung der dekorativen angewandten Kunst zu erweitern.
Die bedeutendste Kollektion in der Abteilung der angewandten Kunst ist die Porzellansammlung. Sie übertrifft ähnliche Sammlungen anderer Museen nicht nur durch die Anzahl ihrer Exponate, sondern zeichnet sich auch durch hohe künstlerische Qualität aus. Der Besucher sieht hier vor allem Werke aus der Blütezeit der Porzellanherstellung in Rußland (18. bis erste Hälfte 19. .lahrhundert). Viele Ausstellungsstücke stammen aus dem Hofmarschallstrakt des Winterpalais, z. B. die Prunkservice der Kaiserlichen Porzellanmanufaktur aus der Regierungszeit der Kaiserin Elisabeth sowie das" Porzellan der bekannten Privatmanufaktur Gardner.
In den letzten zehn bis fünfzehn Jahren wurde die Porzellanabteilung durch Meisterwerke aus den ersten .lahren nach der Gründung der Kaiserlichen Porzellanmamifaktur (1744) bereichert. Diese Periode, zwischen 1744 und Anfang der sechziger Jahre des 18. Jahrhunderts, ist mit dem Wirken Dmitri Iwanowitscli Winogradows (1720—1758), eines namhaften russischen Gelehrten und Freundes M. W.'-Lomonossows, verbunden.