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Einführung
Das Großherzogtum Sachsen erlebte im 14. und 15. Jahrhundert eine wirtschaftliche und zugleich eine kulturelle Blütezeit. Der Erzbergbau, vor allem die Silbergewinnung, brachte dem Lande ansehnliche Einnahmen. Mit der Förderung von Zinn war Sachsen seit dem 14. Jahrhundert als Hauptlieferant Europas an die Seite von Cornwall getreten. Zwischen 1400 und 1500 betrug die Ausbeute an Zinn in Sachsen etwa 31 250 Tonnen, Böhmen produzierte im gleichen Zeitraum 26 260 Tonnen, Cornwall erbrachte dagegen schon im Jahre 1337 allein 600 Tonnen. Das meiste wurde wohl als Rohmaterial exportiert, jedoch sind in den größeren Städten Sachsens schon relativ früh Zinngießer bezeugt: 1412 in Freiberg und 1435 in Zittau; 1446 erhielt die Zunft in Leipzig eine Ordnung, d.h. eine Satzung mit Vorschriften, vor allem zur Legierung und Stempelung. Seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert mögen dann wohl überall in den bedeutenderen Städten des Landes Sachsen Zinngießer tätig gewesen sein, welche die wohlhabenderen Bürger mit Gebrauchszinn, die Kirchen mit Zeremonialgerätschaften, die Zünfte und die Gemeindeverwaltungen mit repräsentativen Kannen und Geschirren versorgten. Erhalten aber hat sich aus dieser frühen Epoche nichts. An der Entstehungszeit einer mit der Jahreszahl 1414 versehenen Taufschüssel aus der Kirche von Gottleuba, die bislang als älteste sächsische Zinnarbeit galt, sind neuerdings Zweifel aufgekommen.
Zinngerät wurde in Formen gegossen, nicht gehämmert oder getrieben wie z.B. Silber oder Kupfer, auch nicht geschmiedet wie Eisen. Die Formen bestanden beim Guß von einfachen, flachen Geräten aus getrocknetem Ton, der mit Kälberhaaren vermischt war. Mehrteilig zusammensetzbare Formen, wie sie für Hohlgefäße nötig waren, fertigte man aus Bronze, Kupfer, Messing, Stein oder - dies erst seit dem 19. Jahrhundert - aus Eisen. Nach dem Guß mußten die Zinngegenstände abgedreht, verputzt und geglättet werden; Henkel, Ausgüsse, Knöpfe und dergleichen lötete man an.
Damit die glutflüssige Gußmasse geschmeidiger wurde und leichter in alle, auch in die hinterschnittenen Partien der Form dringen konnte, legierte man das reine, aber in diesem Zustand spröde sogenannte Bergzinn mit einem gewissen Prozentsatz an Blei. Da aber Blei bedeutend
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