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VORWORT
Unsere alte Schuletikettierung der Abgrenzung von deutscher Klassik und Romantik wird von Gustav Schwab scheinbar gründlich durcheinandergebracht. Den Romantikern wird nachgesagt, sie hätten keine Verbindung mehr zur Antike, ihr Interesse richte sich nur auf das eigene Volkstum, und sie suchten dessen Schätze in nationalen Märchen, Sagen und Geschichten zu heben und dem Volke wieder zugänglich zu machen. Nun, Gustav Schwab ist der Romantik zuzuordnen, trotzdem hat er die „Sagen des klassischen Altertums", in eine für seine Zeit typische Prosa gefaßt, herausgegeben. Und in der Art des Erzählens, in der Weise, wie er an den Stoff herangeht, welchen Szenen er breiteren Raum gönnt, liegt sehr viel romantisches Empfinden. Um die Einheitlichkeit der Wirkung nicht zu stören, wurde in der vorliegenden Bearbeitung versucht, äußerst behutsam vorzugehen. Es wurden nur dort sprachliche Korrekturen vorgenommen, wo das Original für unser heutiges Sprachempiinden zu üppig wucherte, wo riesenhaft aufgeblähte Partizipalkonstruktionen die Lesbarkeit beeinträchtigten oder wo eine Fülle an Superlativen sich gegenseitig einfach erschlug. Es ging nicht darum, radikale Modernisierungen vorzunehmen, sondern es sollte ein Werk von Schwab bleiben, das aber für den heutigen Jugendlichen rein von der Sprache her etwas leichter zugänglich gemacht wurde. Das Buch ist ja auch von Schwab für den „Stoifleser" gedacht, der hier eine erste Bekanntschaft mit der antiken Sagenwelt machen soll, die ihn animieren soll, zu Homer oder den griechischen Dramatikern zu greifen, um dort mehr zu erfahren. Es wäre also kaum im Sinne des Autors, wenn ein historisch gewordener Sprachgebrauch die Hürden für den heutigen Leser im Zugang zum Stoff zu hoch setzte. Aus dieser Überzeugung heraus scheinen dem Bearbeiter die sprachlichen Adaptierungen gerechtfertigt.
Die wissenschaftliche Forschung hat heute das antike Sagengut nach allen Richtungen erkundet, die Quellen untersucht und in die Buntheit der verschiedenen Fassungen allmählich Ordnung gebracht. Doch das sind Dinge, die vornehmlich den Spezialisten angehen. Die Allgemeinheit verlangt nach einer geschlossenen Darstellung der Sagen der Griechen und Römer, und es braucht sie nicht zu kümmern, was ursprünglich war und was später dazukam. Seit Gustav Schwab hat es niemand mehr unternommen, sich dieser Mühe zu
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