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Zur Geschichte der Sammlung
Schatz der Jenaer Universitäts-Sammlung antiker Kleinkunst sind die antiken
Vasen. Aus Ton gefertigte, meist farbig bemalte Gefäße aus der ägyptischen
Frühzeit, aus Troja in Kleinasien, der Insel Kypros, aus Griechenland, den griechi-
schen Kolonien Italiens, aus Etrurien, dem hellenistischen Ägypten und den
römischen Manufakturen des Provinziallandes machen heute den wertvollsten
Bestand der Sammlung aus. Viele Stücke sind von bester Qualität, haben inter-
nationalen Rang wie die Amphora des Sophilos oder die Schalenfragmente eines
Werkstattfundes aus Athen, der 1853 durch die Umsicht des Gelehrten C. W.
Goettling für die Jenaer Sammlung, gewissermaßen von der Fundstelle weg,
erworben werden konnte und durch glückliche Umstände noch wohlerhalten vor-
handen ist. Alle Gefäße sind antike Originale, und es läßt sich an ihnen die
Geschichte der antiken Keramik von ihrem Beginn im 3. Jahrtausend bis zum
Ende im 5. Jh. u. Z. verfolgen.
Neben Vasen füllen antike Terrakotten — menschen- oder tiergestaltige Figür-
chen aus gebranntem Ton —, Statuetten und Geräte aus Bronze, griechische und
römische Tonlampen, zart schimmernde Schalen, Becher und Fläschchen aus Glas
die Fächer der Sammlungsschränke. Außerdem gehören einige Werke aus
Marmor, sowie Zeugnisse antiker materieller Kultur aus Stein und Metall und
eine große Zahl griechischer und römischer Münzen zum Bestand der Sammlung
antiker Kleinkunst.
Was uns heute kostbarster Besitz ist, war noch im 19. und beginnenden 20. Jh.
lediglich ein Anhängsel — wenn auch ein geschätztes — der Sammlung antiker
Gipsabgüsse, die man im archäologischen Museum zusammengetragen hatte.
Die Sammlung antiker Kleinkunst in ihrer heutigen Form als selbständige
Einrichtung besteht erst seit 1962, dem Jahre, in dem das alte archäologische
Museum endgültig aufgelöst wurde. Platzmangel zwang zur Räumung des
großen Erdgeschoßsaales im Süd-Ostflügel des Universitätshauptgebäudes, der
die 471 antiken Statuen und Reliefs seit seiner Erbauung im ersten Jahrzehnt
dieses Jahrhunderts beherbergt hatte. Die Gipsabgüsse kamen als Dauerleih-
gabe in das Schloßmuseum Sondershausen, wo sie neu aufgestellt wieder der
Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnten.
Die in Jena verbliebenen Kleinkunstwerke waren also nur ein Ast am Stamme
des archäologischen Museums. Seine Geschichte beginnt 1846, etwa achtzig
Jahre nach dem Tode J. J. Winckelmanns, den Rudolph Gaedechens in einem
Festprogramm des Museums von 1868 als den „großen Begründer der Archäologie
der classischen Kunst als Wissenschaft" feierte, also zu einer Zeit, als in der
Kunst die Griechenverehrung klassizistischer Prägung bereits überwunden war,
der Vormärz seine revolutionären Gedanken formulierte und die Idylle des späten
Biedermeier über die emanzipatorischen Tendenzen des Bürgertums nicht hinweg-
täuschen konnte. „Das klassische Altertum" gehörte bereits zum unabdingbaren
Bildungsgut von Ade! und Bürgertum. Seine politisch progressive Funktion, die