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BOTTICELLI
Die Gestalten Botticellis sind nicht wie der ausdrucksvolle Kopf des Selbstbildnisses leidend und tiefernst. Seine Geschöpfe hat Botticelli verklärt als erträumte Wesen eines glücklichen Reiches, über den Alltag hinaus gestaltet er die reine Blüte der Jugend und liebliche Mädchenanmut, um eine machtvolle Idee seines Zeitalters zu verkörpern, die Schönheit.
Botticelli suchte und fand die Schönheit freilich nur in einer herben Spielart. Er kannte sie nur befangen und unvollkommen. Wie er die Schönheit in einer naiven Einfalt der Engel, der Marien und der Venusfiguren wiedergab, so fesselt uns heute seine damit übereinstimmende eigne künstlerische Naivität. Seine Malweise ist höchst vereinfacht, seine Farbenreihe gering und seine Darstellung hat viele primitive Merkmale.
Botticelli ist darin dem deutschen Bildhauer Riemenschneider zu vergleichen. Wir wissen, daß es bei beiden noch die letzte gotische Struktur ist, die mitwirkt. Sie formt das eckige, kantige, hilflos-rührende, herb-strenge Dasein. Sie ist das Anzeichen der untergehenden gotischen Welt, aus der beide Meister heraus einen Ausweg gesucht haben.
Botticelli stand zwischen den Zeiten. Der Untergang der Gotik brachte die Geburt der Schönheit als weltbewegender Macht. Wie weit ist es von Botticelli bis zu Lionardo, seinem Stammesgenossen, der nur etwa acht Jahre jünger war, wie weit zu Raffael und Tizian! Eine keusche ferne Ahnung der Zukunft hat Botticelli vorweggenommen. Er ist ein Sucher. Jene sind die großen Vollender. Der suchende Wegbereiter bleibt neben ihnen unvergänglich.
Außer der gotischen Befangenheit ist es das Erbgut des toskanischen Volksstammes, das Botticelli bestimmt.