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Sandro del Botticello
Eine so tiefgreifende und weitumfassende Kunst wie die Gotik kann nicht auf einmal zur Neige gehen, mit all ihren sdiöpferisdien Kräften und Lebensquellen, sei es irgendwo oder irgendwann über Nacht, — audi nidit an der Jahrhundertwende, nadi der folgende Gesdilechter die Gesdiichte zu bequemer Übersicht gegliedert wähnen. Das gilt selbst für Italien, wo die Gotik nicht ganz verstanden worden und deshalb audi nidit so einheitlidi, wie diesseits der Alpen, als Gesamtkunst zum Austrag gekommen war. Denn hier heifet es, nidit nach dem äugern Erfolg zu redinen, sondern mit der innern Ergriffenheit der Menschen, die in allen Ländern der gemeinsamen Kultur dazu gelangten, ihr ganzes Wesen unter das Gesefc der Zeitvorstellung zu bringen, und demgemäß audi die Raumansdiauung und alles was mit ihr zusammenhängt, unter die Vorherrschaft dieses zeit-lidien Erlebens zu beugen, dessen fühlbarer Ablauf nur — mit dem Wedisel seines Inhalts in Werden und Vergehen — die Seelen und Geister von damals befriedigen konnte. So ergab sich überall im Abendlande eine innige Verbindung zwisdien Poesie und Ardiitektur, als deren Mittlerin nur die verborgene Wurzel beider, das Gesamtgebiet des stummen Gebarens, und damit die dritte aus ihm erwachsene Kunst der Mimik anerkannt werden darf, um soldi ein Bündnis richtig zu verstehen. Es ist ja eine Durchdringung des festgefügten Bauwerks mit der Auffassungs- und Darstellungsform der Dichtung und ihrer nächstverwandten Begleiterin im Kirchenraum, der Musik, deren nimmerruhendem Bewegungsdrang audi die andern Künste räumlidier Anschauung sidi hingeben, sowie Poesie und Ardiitektur sie beide, Plastik und Malerei, in ihre Mitte nehmen. !n Übereinstimmung mit dem zeitlidien, nur im unablässigen Werdegang erfaBbaren Verfahren des Gliederns und Gestaltens liegt die Einheit der Gotik zwischen allen Künsten besdilossen.
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