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Paul Brandt - Schaffende Arbeit und Bildende Kunst I. [antikvár]

Schaffende Arbeit und Bildende Kunst I. [antikvár]

Paul Brandt

 
V O R w O R Der vorliegende Versuch unternimmt es, soviel ich sehe, zum erstenmal, die Arbeit als Gegenstand der bildenden Kunst zu erfassen und im Zusammenhange darzustellen. Die Kunstwissenschaft hat diesem Problem bisher noch keine Aufmerksamkeit geschenkt; ihrer auf Form und Geist gerichteten Methode widerstrebt es im allgemeinen, vom Gegenstande auszugehen. Aber es braucht eine solche Betrachtungsweise darum noch keineswegs im Gegenstande steckenzubleiben. „Die Kunst als Feld der Wissenscha't",sagt Hans Neumann, „wird heute noch...
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V O R w O R Der vorliegende Versuch unternimmt es, soviel ich sehe, zum erstenmal, die Arbeit als Gegenstand der bildenden Kunst zu erfassen und im Zusammenhange darzustellen. Die Kunstwissenschaft hat diesem Problem bisher noch keine Aufmerksamkeit geschenkt; ihrer auf Form und Geist gerichteten Methode widerstrebt es im allgemeinen, vom Gegenstande auszugehen. Aber es braucht eine solche Betrachtungsweise darum noch keineswegs im Gegenstande steckenzubleiben. „Die Kunst als Feld der Wissenscha't",sagt Hans Neumann, „wird heute noch vielfach zu abstrakt betrachtet, während sie doch erst mit ihrem besondern Nährgrund, der jeweiligen Zeitanschauung, ihr wahres Wesen, ihren Wert enthüllt." Dies letztere trifft in ganz besonderem Maße auf unser Problem zu. Darf man das Arbeitsbild als den Niederschlag bezeichnen, den die Arbeit als der praktische Hauptträger aller Kultur in deren idealster Augenschöpfung gefunden hat, so enthüllt schon diese Formulierung die in dem Problem enthaltenen Spannungen und Schwierigkeiten. Die bildende Kunst, für die von allem Anfang an die wirkliche Welt fast nur Symbol für ein dahinter verborgenes Überwirkliche war, hatte, von einzelnen realistischen Anwandlungen schon im Altertum abgesehen, für die Arbeit nur insoweit ein Auge, als ihre Darstellung jener Ideenwelt diente oder zu ihr in Beziehung gesetzt werden konnte; erst als sie lernte, die Wirklichkeit nicht mehr hinter den sichtbaren und tastbaren Dingen der Erscheinungswelt, sondern in ihnen zu suchen, ein geistiger Umstellungsprozeg, der die Wende vom Mittelalter zur Neuzeit bedeutet, gibt es ein Arbeitsbild aus eigenem Recht. Diese Spannung zwischen der materiellen Welt der Arbeit und der idealen der bildenden Kunst wird nun noch verschärft durch die Abneigung des natürlichen Menschen gegen den „Fluch" der Arbeit, den dem christlichen Gewissen in Segen umzudeuten zuerst die Scholastik unternahm, bis Calvin sogar die christliche Arbeitspflicht proklamiert, Adam Smith in der Arbeit die eigentliche Quelle des Volkswohlstandes und den Wertmesser der wirtschaftlichen Güter erkennt und Schiller in Kants Nachfolge sie als des Bürgers Zierde poetisch verklärt. Wenn auch diese Wandlungen keineswegs zwangsläufig im Arbeitsbild zum Ausdruck kommen, so bleibt dieses doch stets ein Spiegel nicht bloß der wirtschaftlichen und sozialen Zustände, sondern auch der geistigen Kultur, der es entstammt. Das verleiht der Beschäftigung mit ihm auch über die zunächst zuständige bildkünstlerische Betrachtungsweise hinaus einen besonderen Reiz, ein Anreiz zugleich für den Verfasser, ihm soviel wie angängig in Bild und Wort etwas von der Atmosphäre mitzugeben, in der es einst lebte und atmete. Jener Reiz erschloß sich auch dem Verfasser erst im Laufe der Beschäftigung mit dem weitschichtigen Stoff; ursprünglich war es ein äußerer Anstoß, der ihn auf das sozusagen unbeachtet auf der Straße liegende Thema führte. Es sind nun fünfzehn Jahre her, daß mich auf einer Ferienreise — es war in Serajewo, wo drei Jahre später die verhängnisvollen Schüsse fielen, die das Signal zum Weltkriege gaben — die Aufforderung der Stadt und Handelskammer Düsseldorf, meines damaligen Berufs-oites, zu einer Reihe öffentlicher Vorträge erreichte. Das vorgeschlagene Thema sagte mir nicht besonders zu, doch zu langem Wählen blieb keine Zeit. Da kam mir ein erleuchtender Gedanke: Düsseldorf ist die Stadt der Arbeit und der Kunst —

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Cím: Schaffende Arbeit und Bildende Kunst I. [antikvár]
Szerző: Paul Brandt
Kiadó: Alfred Kröner Verlag
Kötés: Vászon
Méret: 190 mm x 260 mm
Paul Brandt művei
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