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STIMMEN ÜBER EINE NACHT
Nicht die Nacht, in der Neu-Spuhl verworfen wurde, nicht die Nacht, in der es unterging. Gesund in seiner Wirtschaft, kann Neu-Spuhl nodi lange stehen.
Sich kreuzende Stimmen. Keine, die mit einer anderen redet. Jede von sich und für sich allein. Stimmen noch in der Zeit, Stimmen von außen, durch die Zeit stoßend, sdiwebend wie Vögel. Einmisdiungen, Beschwörungen, Fieber-Inseln. Mit einem Ende beginnt es und endet mit einem Anfang. Wenig Fabel, aber doch zwei Tote gegen Morgen.
Eine Nacht zum Sonntag, eine solche also, in der getanzt wird. Eine Nadit mit viel Tratsch als Vorbereitung und darnach: Spesen und Hosenweite, hoher Konsum. Manches von ersten Marken. Fremde Töne dazwischen. Im Wohlstand steht es sich gut, Wohlfahrt fährt am besten. Die Männer voll weicher Stellen, falls man von Männern reden will. Die Frauen gesünder: darum näher am Tod.
Soll Neu-Spuhl verworfen werden? Die meisten Menschen leben in Neu-Spuhl, leben allgemeinverständlich, den Blick auf das, was zusteht. Wer keinen Anschluß hat, besteht schwer, und wer ihn verweigert, sdineidet sich. Glas ist durchsichtig, aber es macht Hände blutig. Draußen heult der Hund. Niemand kann seiner Schuld ausweichen.
EINE STIMME OHNE NAMEN: VIELLEICHT MUSSTE ICH DABEI SEIN
„Für tot erklärt", sagte jemand. Jemand: „Es ist doch eine Formsache."
Ich zitterte noch. Ich zitterte vor Freiheit, weil ich jetzt gehen konnte, wohin ich wollte. Wonach mich zuerst verlangt hatte, als ich gehen konnte, wohin ich wollte: eine Landstraße, das war es, und eine Nacht, das war es, eine feuchte, sternlose Nacht, weit draußen, ohne Lichter. Eine Nacht noch ohne Regen, aber so, daß Regen nicht fern ist: tiefer Behang, der von unten Helle empfängt. Die Helle ist gering, sie rührt von einem Dorf her oder einer sehr weit entfernten Stadt, und sie darf nicht mehr erkennen lassen als schwarze Apfelbäume, deren Äste sich winden. Die Straße darf einen Rest Helligkeit fangen, aber nicht mehr, als daß die Schwärze zur Rechten und Linken davon schwärzer wird. Die Straße, schmutzig und feucht, braucht nirgends hinzuführen. Wenn sie irgendwo hinführt, sind dort Namen und wohlunterhaltene Qual. Auf einer solchen Straße fortgehen, nicht ankommen; nur die schöne Schwärze, keine Stimme, kein grelles Licht.
So wollte ich gehen, wie ich einmal und oft die langen Stra-ßen gegangen bin. Die schwarze nasse Lufl atmen ohne Namen, und bei nichts dabei sein, nur in meinem Schritt meinem Schritt meinem Schritt -
Aber in dem Saal war es hell, eine fade verschwommene Helle. Die Lufl war dick, warm und voll Rauch, so daß ich nicht viel erkannte, voll von Geräuschen und Stimmen. Wohl-