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EINLEITUNG
Im Gefüge unserer Städte kommt dem Platz eine große Bedeutung zu. Plätze sind im allgemeinen als Kristallisationspunkte des gesellschaftlichen Lebens und Brennpunkte des Verkehrs für das Leben einer Stadt wichtig und interessant, Sie spiegeln in ihrer Anordnung den gesellschaftlichen Status ihrer Erbauungs- oder Bebauungszeit wider. Verbinden sich die herrschenden gesellschaftlichen Kräfte mit dem Leben derganzen Siedlungsgemeinschaft, dann ist der Platz Mittelpunkt des öffentlichen Lebens, wie beim antiken Forum, dem mittelalterlichen Marktplatz und den großen Freiräumen vor kirchlichen Bauwerken. Befinden sich Beherrscher der Stadt und Kommune in V\/ider-streit, dann dient die Platzanlage dazu, die Macht des Stärkeren zu demonstrieren, Wirkungsraum für die Komponenten seiner Überlegenheit (Militär, Justiz) zu sein. Stets aber bleibt die Bedingung, auf eine große Menschenmenge zu wirken, mit den europäischen Platzvorstellungen verknüpft. Eine andere Aufgabe haben die streng abgeschlossenen Höfe der Kaiserpaläste in Ostasien, die durch ihre \Ne\te den Anspruch des chinesischen und japanischen Kaisertums illustrieren. Plätze im europäischen Sinne sind diese Höfe nicht gewesen, diesen Charakter erhielten sie allenfalls durch den modernen Tourismus.
Eine besondere Aufgabe erfüllen die Plätze im Zusammenhang mit großen gesellschaftlichen Bauwerken: Kirche, Schloß, Rathaus, Theater und Museum. Der davorliegende Freiraum erreicht - erst einmal durch Gewährung einer für die Betrachtung nötigen Distanz - eine größere Wirksamkeit des hervorzuhebenden Bauwerkes. Durch das Einbeziehen des Baues in größere Raumeinheiten und -folgen hebt der Platz zugleich die städtebauliche Bedeutung des so betonten Monumentes. Daraus geht auch hervor, weshalb die Denkmäler - Obelisken, Triumphbögen, Säulen, Brunnen und Standbilder - in der Regel im Mittelpunkt des freien Raumes stehen. Sie sind zu bewußt variierten Mitteln der Platzgestaltung geworden, weil sie Bedeutungsträger und Assoziationsquellen sind; in vielfältiger Form geeignet, architektonische wie urbanistische Prinzipien wie die Achsenbetonung oder die zentrale Orientierung auszudrücken, ohne den Freiraum des Platzes durch große Baumassen zu verstellen.
Dieser Band will anhand einiger ausgewählter Beispiele den Betrachter anregen, von Platzanlagen, die er aufsucht, nicht nur das äußere Bild in sich aufzunehmen, sondern aufmerksam ihrer Geschichte, die zugleich ein Teil der Geschichte der Stadt ist, nachzuspüren.
Schematische Rekonstruktion der AkropoHs von Athen
Städtebau in Europa bis zum 19. JahrKundert
Die Grundrißbildung der europäischen Städte ist sehr vielgestaltig. Sie ist abhängig vom Zeitpunkt des Entstehens und damit von den Stilprinzipien der Zeit und den jeweiligen wirtschaftlichen sowie gesellschaftlichen Verhältnissen.
Der Beginn des europäischen Städtebaues ist im antiken Griechenland zu suchen. Zunächst sind es hier Ansiedlungen, die allmählich um eine Burg oder ein Heiligtum herumwuchsen, wie Argos, Theben und Delphi, oder aber es wurden einige Dörfer, wie bei Sparta, zu einem Stadtstaat zusammengeschlossen. In keinem Fall kann man dabei von einer gezielten städtebaulichen Planung sprechen.
Erst im 5. Jahrhundert v. u. Z., der Glanzzeit griechischer Kultur, begann man, in das Gewirr der Straßenzüge eine übersichtliche Ordnung zu bringen, ebenso, wie man die panhellenischen Heiligtümer von bedeutenden. oft namentlich bekannten Künstlern nach ästhetischen, repräsentativen Gesichts-