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Vorwort
1987 begehl Berlin den 750. Jahrestag der ersten urkundlichen Erwähnung der Stadt. Mit der vorliegenden schulgeschichtlichen Publikation wenden sich Autoren und Verlag an den großen Kreis pädagogisch und historisch interessierter Leser, an Schüler, Lehrer und Eltern, um ihnen einen Einblick in die wechselhafte Bildungsgeschichte Berlins zu geben. Sie soll Anregung sein, ausgehend von den Erfahrungen der Vergangenheit und der Zukunft zugewandt, aktiv an dem neuen Kapitel der Berliner Schulgeschichte, der Gestaltung des Berliner Bildungswesens auf der Grundlage der Orientierungen des XI. Parteitages der SED, mitzuschreiben.
Die seit der Gründung der DDR und der Erhebung Berlins zu ihrer Hauptstadt verflossenen Jahrzehnte waren nicht zuletzt auf dem Gebiet des Bildungswesens der wichtigste Teil der bisherigen Stadtgeschichte. Der Vorsitzende des »Komitees der DDR zum 750jährigen Bestehen von Berlin*, Erich Honecker, hob bei dessen Konstituierung hervor: »Unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer Partei, durch das Zusammenwirken aller mit ihnen verbündeten Kräfte wurde in 35 Jahren DDR mehr für ein besseres sinnerfülltes Dasein der Bürger Berlins, für ihr hohes materielles und kulturelles Lebensniveau getan und erreicht als in Jahrhunderten früherer Stadtgeschichte.«
Mit dem Siegeszug des Sozialismus erhielten alle Kinder die Möglichkeit, in Kindergärten betreut und erzogen zu werden, haben alle Schüler die Gelegenheit, moderne Oberschulbildung zu erwerben, und sind Bildungsprivileg sowie Lehrstellenmangel unbekannte Erscheinungen. Nie zuvor wurden in Berlin so viele Bildungseinrichtungen gebaut wie in unserer Zeit.
Das sozialistische Bildungswesen Berlins ist tief in den reichen und vielfältigen Tradiüonen einer jahrhundertelangen Geschichte verwurzelt.
Wir sind stolz darauf, daß es eine Fülle von schulgeschichtlichen Tatbeständen gibt, die, ungeachtet mancher Widersprüchlichkeit, als Bestandteile
unserer progressiven Traditionslinien angesehen werden können und die, teilweise über Berlin hinausreichend, sogar nationale Bedeutung besaßen.
So ist die 1747 von Hecker gegründete Berliner Realschule eine der ersten deutschen Bildungsstätten, die weitgehend den neuen Bildungsbedürfnissen des im Gewerbe tätigen Bürgertums entsprach. Einen Aufschwung an den Berliner Gymnasien bewirkten die bürgerlichen Reformansätze gegen Ende des 18. Jahrhunderts, die eng mit der Berliner Aufklärung verbunden waren und neuhumanistischen Bestrebungen voranhalfen. Die patriotische Bewährung Berliner Lehrer und Schüler in den Befreiungskriegen 1813/14 bildet einen viele Jahrzehnte überstrahlenden Glanzpunkt. In ihrer Vorbereitung wurde Berlin Ausgangspunkt und Zentrum der Tumbewegung um Jahn. In die Zukunft wies die Entwicklung der 1824 von Klöden gegründeten Berliner Gewerbeschule zur späteren Oberrealschule, dem neuen Typ höherer Schulen mit modemer mathematisch-naturwissenschaftlich-technischer Allgemeinbildung. Von nationaler Wirkung war das Auftreten Berliner Lehrer, Lehrlinge und Schüler in der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Berlin immer mehr zu einem Zentrum der deutschen Arbeiterbewegung. Unter der Führung Paul Singers schufen die Berliner Sozialdemokraten wichtige Elemente eines proletarischen kommunal- und schulpolitischen Programms und besonders seit den neunziger Jahren Formen klasseneigener Erziehung mit der Einführung proletarischen Jugendunterrichts und der Jugendweihen. In der Zeit der Weimarer Republik war Berlin ein Zentrum der Schulreformbewegung. Manches an der konkreten Erziehungsarbeit der weltlichen Schulen gehört — ohne die reformistische Gesamtkonzeption und die tiefen inneren Widersprüche zu übersehen — gleichfalls zu unseren progressiven pädagogischen Traditionen. In diesen Jahren
war Berlin zugleich Hochburg des Wirkens proletarischer Kinderorganisationen.
Mit der Befreiung vom Faschismus wurde dann auch für Berlin ein neues Kapitel der Schulgeschichte aufgeschlagen.
Die Geschichte von Bildung und Erziehung in Berlin schließt auch das Erbe ein, das auf die herrschenden Ausbeuterklassen der Vergangenheit zurückgeht. Abschnitten progressiven Wirkens stehen lange Perioden gegenüber, in denen eigensüchtiges Streben der herrschenden Klassen nach Bildung des eigenen Nachwuchses einerseits und Beschränkung des Bildungserwerbs der Volksmassen andererseits sowie deren Erziehung zur willigen Einordnung in reaktionäre Verhältnisse dominierten. Auch dieses Erbe gehört zu den unübersehbaren Voraussetzungen unserer geschichtlichen Entwicklung. Ohne es zu berücksichtigen, ist die Entwicklung der progresssiven Traditionslinie nicht zu verstehen und in ihrer historischen Leistung nicht zu würdigen. Ebenfalls dürfen progressive Teilleistungen reaktionärer Klassenkräfte — oft nur als ungewollte Nebenwirkungen — nicht übersehen werden.
Wegen der Fülle des Materials war es nicht möglich, alle erzieherischen Einflüsse und nicht einmal alle Bereiche des Bildungswesens gleichermaßen zu würdigen. In diesem Buch geht es vor allem um die Entwicklung der Schulen, der Schüler und ihrer Lehrer.
Für die Zeiträume, in denen nur eine Minderheit der Heranwachsenden schulisch erfaßt war, also bis in das 18. Jahrhundert hinein, wird versucht, auch andere wichtige Bereiche der Erziehung, Familie, Öffentlichkeit, handwerkliche Lehre und Kirche, zu berücksichtigen. Mit der allmählichen Einbeziehung der Mehrheit der Bertiner in schulische Bildung und der Ausgestaltung der Schulen zu einem Hauptfeld der Erziehung rückt die Entwicklung dieser Einrichtungen in ihrer großen Vielgestaltigkeit in das Zentrum der Darstellung.
Die Beschreibung zahlreicher Schultypen und einzelner Schulen soll helfen, die