Bővebb ismertető
Gleich, wo man das Gebiet der schweizerischen Kunstgeschichte betritt, immer fühlt man sich wie zu einer Rechtfertigung gedrángt - zur Beantwortung der Frage: Gibt es überhaupt eine schweizerische Kunst ? Gibt es etwas, das die schweizerische Kunst über die Zeiten hinweg charakterisiert, unverkennbar gegenüber deutscher, französischer, italienischer Kunst ? Oder ist nicht die deutsch-schweizerische Kunst nur eine blosse Tonart im Konzert der Kunst der deutschen Stámme und die welsch-schweizerische eine blosse Tonart innerhalb der französischen Kunst ? Auf diese Frage kann man die eine Antwort hören: Die Schweiz ist ein blosser geographischer BegrifF. Ihr Raum beherbergt Angehörige verschiedener Sprachen. Es gibt keine spezifisch schweizerische Kultur. Die Kultur jeder Sprachgruppe ist ein Teil der Kultur des grösseren Sprach-Mutterlandes. Und die andere Antwort: Doch, die Schweiz ist über die verschiedenen Sprachen hinweg eine kulturelle Einheit, die sich gründet auf eine jahrhundertelange staatliche Schicksalsgemeinschaft. Wie das Schweizervolk sich eine unbestreitbar eigenartige Staatsform geschaffen hat, so ist es auch auf allén andern Gebieten der Kultur. Ich glaube, diese vielberufene Frage ist sehr leicht zu entscheiden, sobald man sich an die ganz konkrétén Realitáten hált und sich nicht in Antithesen versteift. Es ist eine Realitát, dass die Bewohner des Raumes zwischen Zentralalpen, Oberrhein und Jura vergleichsweise früh sich zu einem eigenen Staatswesen kristallisiert habén und dass die Schicksalsgemeinschaft innerhalb dieses geographischen Raumes zunehmend bestimmte gemeinsame Wesenszüge herausgebildet hat. Es ist ebenso eine Realitát, dass der grössere Teil dieses Raums, die Hochebene zwischen Jura und Voralpen und zwischen Bodensee und Genfersee, auch klimatisch eine Einheit bildet, die sich seinem Bewohner aufprágt. Diesen zentripetalen Realitáten stehen aber ebenso konkrété zentrifugale Realitáten gegenüber. Es ist unbestreitbar, dass die Bewohner dieses Raums an verschiedenen Sprachgemeinschaften teilhaben, die ihr Schwergewicht jenseits der Landesgrenzen besitzen. Es ist unbestreitbar, dass die Schweiz klimatisch auch die grössten Gegensátze umfasst - neben dem Mittelland: den Jura, die nördlichen Voralpen, die Hochalpen und die südlichen Voralpen, und dass diese klimatischen Zonen Gemeinsamkeiten über die Landesgrenzen hinaus konstituieren. Umgekehrt hat die Notwendigkeit, diese starken Gegensátzlichkeiten der Sprache und des Klimas innerhalb eines geographisch geschlossenen Staatsraums immer wieder zu überbrücken, einen entscheidenden Beitrag gerade an die Ausbildung eines spezifisch schweizerischen Volkscharakters geleistet. Nun sind aber alle diese Faktorén - Klíma, Sprache und Staatsgemeinschaft - durchaus keine absoluten historischen Konstanten. Sie sind es nur, sofern sie sich innerhalb des gerade betrachteten Zeitraums nicht wesentlich verándert habén. Sobald wir aber grössere Zeitráume um-