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Der Mogul. Rückblick. Die letzten Tage des Senders
Im Juni 1995 saß ein Mann mit geschwollener Wange, mit krausem und an den Schläfen ergrautem Haar und abstehenden Ohren im Wartezimmer des Dentisten Dr. Schmiedbauer in der Münchner Fraunhoferstraße. Er war wütend auf sich selbst, denn er hatte versäumt, sich rechtzeitig einen Termin geben zu lassen. Dabei gehörte er seit fünfzehn Jahren zur Stammklientel, und schon vor zwei Wochen hatte der pulsierende Schmerz im Backenzahn rechts unten zu wüten begonnen. Der Mann war in einem bedauernswerten Zustand und mußte nun warten, bis er an die Reihe kam; zu allem Uberfluß war ihm so, als habe sich die Gesamtheit aller Patienten des Doktor Schmiedbauer gerade heute hier verabredet. In dem kleinen, überfüllten Wartezimmer stand die Luft, es war drückend schwül.
Einige Minuten lang starrte er düster ins Nichts, dann begann er zerstreut in den Journalen zu blättern, die auf dem niedrigen Tisch ausgebreitet waren. Er fand nur eine ältere Nummer des Spiegel, die er schon kannte. Die aktuelle Ausgabe des Stern las gerade jemand anders, und so mußte er sich mit Boulevardzeitschriften zufriedengeben, die kunterbunte Reportagen über das Leben von Prinzessinnen und Millionären enthielten.
Gleichgültig durchblätterte er bereits das dritte dieser Druckwerke, als er plötzlich merkte, daß es sich dabei um eine populärwissenschaftliche medizinische Zeitschrift handelte. Der Aufmacher lautete »Volkskrankheit Depression oder Sonnenfinsternis der Seele«, und in der Mitte des Blattes befand sich eine Beilage mit Fragebogen. Die Leserinnen und Leser wurden dazu aufgefordert, sich über ihren Seelen-zustand Rechenschaft abzulegen.
Na, das ist doch brauchbar, dachte der Mann, bat die Sprechstundenhilfe um einen Kugelschreiber, und abgesehen von dem heftigen Schmerz in der Mundhöhle konnte er sich dem Fragebogen mit Lust widmen. Es war, als handle es sich dabei um ein Rätsel oder um die
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