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Vorwort
Es gibt nur wenige deutsche Verlage, die wie der Verlag J. H. W. Dietz Nachf. auf eine fast 100jährige Tradition zurückblicken können. Die Geschichte des Verlages spiegelt deutsche Geschichte, im besonderen Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung wider, ja, sie ist zu einem Teil dieser Geschichte geworden. Gegründet noch in der Zeit des Sozialistengesetzes, unterdrückt durch die Nationalsozialisten, hineingezogen in die deutsche Spaltung, hat der Verlag von Anbeginn an Theorie und Praxis des demokratischen Sozialismus als Hauptgebiet seiner Tätigkeit angesehen. Die Bibliographie von Max Schwarz zeigt dabei die weite Palette, die von der Publikation der Klassiker, über belehrende naturwissenschaftliche Werke, bis hin zu Broschüren in russischer Sprache, Bildtafeln und Notenblättern für Arbeitersänger reicht.
In der Weimarer Zeit kam nach 1923 ein bedeutendes literarisches Programm hinzu und viele Bücher des J. H. W. Dietz-Verlages zeichneten sich durch eine gediegene und moderne Gestaltung aus, in der der Verlag mit der Büchergilde Gutenberg wetteiferte. Eine eigene Buchgemeinschaft entstand in den 20er Jahren, die sich dann allerdings bald verselbständigte. Aus dem Verlagsprogramm der Nachkriegszeit will ich nur den Bildband „100 Jahre SPD" von Georg Eckert, „Die Chronik der deutschen Sozialdemokratie", die dreibändige Geschichte der Internationale und die Nachdrucke sozialistischer Klassiker erwähnen. Einzelheiten der Verlagsgeschichte hat Max Schwarz in seiner Einleitung zu diesem Bande nachgezeichnet.
Wenn man die einzelnen Blätter dieses Büchleins durchsieht, Namen, Buchtitel, Auflagenhöhen sich vor Augen führt, dann steigt gleichzeitig die Erinnerung auf an die Geschichte der Sozialdemokratischen Partei, ihre Kämpfe, ihre Siege und Niederlagen. Bernstein und Kautsky erinnern an den Revisionismusstreit, an jene große theoretische Auseinandersetzung, die eigentlich erst durch das Godesberger Programm abgeschlossen wurde.