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Vorwort
Lectori benevolenti!
»Fragt mich einer nach der Quelle meines Wissens, so werde ich zunächst, wenn mir's nicht paßt, gar keine Antwort geben. Wer will mich denn zwingen? Weiß ich doch, daß ich ein freier Mann bin! Beliebt mir's aber zu antworten, so werde ich sagen, was mir gerade in den Schnabel kommt. Wer hat je von einem Schriftsteller Schwurzeugen verlangt?«
So schrieb Lucius Annaeus Seneca, als neugierige Leser wissen wollten, woher er denn in seiner Satire Apokolokyntosis, genannt auch die Verkürbissung des Kaisers Claudius, seine Kenntnis so schwer beweisbarer Ereignisse bezogen habe, wie des Aufstiegs des verewigten Claudius zum Olymp und des darauf folgenden Sturzes in den Orkus.
Als Verfasser von Senecas »Autobiographie« kann ich indes für diese etwas genauere Angaben machen: liegen doch 124 Briefe vor, gerichtet an seinen Freund Lucilius; und auch zahlreiche seiner »Moralischen Essays« sind ich-bezogen.
Das Quellenverzeichnis gibt Auskunft über alle sonstigen wesentlichen Werke. Diesen kann man entnehmen, daß nichts »erfunden« ist, was in so mancher Hinsicht an gegenwärtige Zustände erinnert. Denn schon damals gab es einen Politjargon; und schmuddlige Bär-te, Ungewaschenheit und betont schäbige Bekleidung galten auch zu Senecas Zeit in manchen Kreisen als Ausdruck von Fortschrittlichkeit und philosophischer Höherentwicklung. Auch die Umweltverschmutzung, der arabisch-jüdische Konflikt, das Parteige-