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Verbrechen sind so alt wie die Menschheit
Meisterdetektiv Sheriock Holmes und die Wirklichkeit
»Es ist nichts so fein gesponnen, daß es nicht kommt ans Licht der Sonnen.« Schön wär's, wenn dieses bekannte Sprichwort auch immer zuträfe. Leider aber sieht es in Wirklichkeit oft anders aus. Das gilt auch in hohem Maße für die Kriminalität, denn viele begangene Verbrechen werden erst gar nicht bekannt. So geschieht es immer vdeder, daß der Arzt, der den Totenschein ausstellt, nicht die wahre Todesursache erkennt. Wo er einen natürlichen Tod annimmt, handelt es sich in Wirklichkeit um einen Mord.
Bei einem alten Menschen liegt ohnehin die Vermutung nahe, daß er eines natürhchen Todes gestorben ist — näher jedenfalls als bei einem jungen Menschen. Deshalb schöpft der Arzt, der dies bescheinigt, wohl kaum Verdacht, daß es hier nicht mit rechten Dingen zugegangen sein könnte. Die Anzeichen oder Verdachtsmomente, die zum Beispiel auf einen Tod durch Erwürgen, Erdrosseln oder eine sonstige Art des Erstickens hinweisen, bemerkt er nicht. Erst Zufälle fördern den wahren Sachverhalt zutage. Gerüchte kommen auf, Nachbarn wundern sich, bis schließhch jemand die Kriminalpolizei verständigt und die Ermittlungen den Verdacht bestätigen. Verdeutlicht wird dies durch die beiden folgenden Fallbeispiele:
Bei einem sechsundfünfzigjährigen Mann, der plötzlich gestorben war, bescheinigte der Arzt den Tod durch Alkoholvergiftung, verbunden mit einer Herzschwäche. Anderthalb Jahre später starb im gleichen Haus ein zweijähriges Mädchen, das Rotkohl aus einem Hundenapf gegessen hatte. Darin war Thallium gewesen, mit dem der Hund vergiftet werden sollte — nun aber war ein Kind das Opfer geworden. Durch diesen Unglücksfall tauchten erneut Zweifel an der Todesursache des Sechsundfünfzigjährigen auf. War er tatsächhch an Alkoholvergiftung und Herzschwäche gestorben — oder hatte man auch ihm Thallium ins Essen gemischt? Als die Gerüchte nicht verstummten, ging man ihnen nach und exhumierte den Toten. Die Untersuchung der Leiche bestätigte das Mißtrauen der Nachbarn: Der Mann war nicht an einer Alkoholvergiftung gestorben, sondern mit Thallium vergiftet worden. Die Ehefrau wurde verhaftet und gestand, ihren Mann wegen dauernder Streitereien getötet zu haben. Er wollte, so erklärte sie, »die Giftkör-ner eben haben, und da hat er sie auch bekommen.« Vor Gericht widerrief sie jedoch ihr Geständnis und behauptete, er habe sich selbst das Leben genommen.