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EinleitungWarum pilgern? Weil wir dabei erfahren, was in unserem Leben noch alles möglich ist. Pilgern lebt aus dem, was Augustinus über den Menschen sagt: Du hast uns zu dir, Gott, hin geschaffen, und unser Herz ist unruhig, bis es Ruhe findet in dir. Unruhig ist der Mensch, weil er noch nicht da ist, wo er hingehört: zu Gott. Wer sich auf seinen Weg gerufen weiß, wer Vertrauen in das Ziel hat, dessen Unruhe ist nicht ängstlich, sondern erwartungsvoll. Pilgern ist Heimweh und Fernweh zugleich: Der Pilger möchte zu sich kommen und zugleich nicht bei sich stehen bleiben. Er sucht das Andere, vielleicht auch den Anderen. Abstand gewinnen vom Alltag und seinen Pflichten, von der Familie und ihren Erwartungen, von Zwängen und Vorstellungen und letztlich von sich selbst. Sich fremdgehen - nur so kann man mehr werden, als man aus sich heraus ist.Pilgern ist für mich zum Lebensthema geworden. Vor zehn Jahren brachte mich eine Radtour erstmals auf den Jakobsweg. Ich suchte schlicht eine Route, die mir das tägliche Hin und Her abnimmt, weil sie ein klares Ziel kennt. Seitdem leite ich Pilgerwanderungen für Gruppen auf dem Camino Francés, dem Hauptweg des spanischen Jakobsweges, Pilgerreisen in der Extremadura, der Schweiz und nach Assisi sind über die Jahre hinzugekommen. Einfaches Leben und intensive Gemeinschaft, Wandern und an Grenzen kommen und nicht im Voraus wissen, wo man abends schlafen wird, macht die eher asketischen Touren aus. Nicht automatisch, aber wenn die Bereitschaft zum religiösen Unterwegssein da war, konnte in den Andachten vieles geweckt und bewegt werden. Es hilft. Abstand vom Alltag zu haben und die normale Welt überschreiten zu wollen. Ich erlebe das Unterwegssein als Einüben in ein Menschsein, das nach vorne lebt. Solche Reisen sind und bleiben herausfordernd - für Teilnehmende und mich. Und ein Wagnis muss das Pilgern bleiben, sonst führt es nicht ins Neue. Pilgerreisen wollen kein Leistungssport sein, aber doch >Strecke statt Schnecke<, ein Gegenpol zur Behaglichkeit, die manche Pilger auch unterwegs pflegen möchten. Immer wieder rebelliert der eine oder die andere gegen unsere anspruchsvollen Touren. Aber nach wenigen Tagen wird deutlich, dass man mehr gewinnt, wenn man sich nicht selber lebt, sondern sich etwas sagen, zumuten und letztlich zusprechen lässt. Denn groß ist oft das Erstaunen, was alles in einem steckt und nun endlich geweckt wird. Pilgern