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Sieben vorbei und acht verweht: wenn der Schiffsjungezum letzten Male während der endenden Nachtwache die Sanduhrumgedreht hatte, wenn sieben Glasen vorbei war und das achte in halb-stündigem Rieseln verwehte: unablässig, unaufhaltsam, als deutlich sicht-bares Sinnbild der verwehenden Zeit, dann sang er diesen Spruch über dasstille Schiff. So geschah es in der Stunde zwischen Nacht und Morgenauf den drei Karavellen des Kolumbus, so seit alters auf allen Schiffenvon Aragon und Kastilien.SIEBEN VORBEI UND ACHT VERWEHT: am Ende dieses Bucheshalten auch wir in der Morgenstunde zwischen dem alten und dem neuenTag. Noch sind die dunklen Schauder unterwegs, die Dämonen, diegestaltlosen Schemen, daß es dem Rudergänger auf dem hohen Kastellder Schiffe, dem Ausguck im Vortopp fröstelnd über den Nacken streicht.Es ist die körperliche Kälte jener einsamsten Stunden des Tages, clie ihnso erschauern läßt, wir wissen das wohl. Er freilich meint den Nachtmahrzu spüren, der ihn eisigkalt und spinnwebfein umgaukelt, und vielleichthaben sie recht, diese eisenharten Männer auf den frühen Schiffen, anden Lagerfeuern der ersten Karawanen, vielleicht bedürfen die vomStaub der Jahrtausende überwehten Schichten unserer Seele, jene unbe-wußten Erinnerungen unseres Blutes, jene tausendfältigen Erfahrungenaus dem Erbe längst vergessener Zeiten dieser Stille vor der Geburtdes Tages.SIEBEN VORBEI UND ACHT VERWEHT: als wir auszogen,die Erde zu entdecken, da standen allüberall magische Zeichen am Weg;die Jagdbeute zu bezaubern, Fruchtbarkeit zu beschwören, Götter undDämonen gnädig zu stimmen. Mythen und Legenden haben uns daherlange Zeit begleitet. Noch in dem Moment, in dem wir die Darstellungbeschließen, weil ein neuer Zeitabschnitt heraufdämmert, reckt sich derdüster-heilige Schatten des Presbyters Johannes über die Welt, mit hoch-erhobenen, mit segnenden und mit drohenden Armen. Und wie derArzt im Röntgenbild unserer Tage, so sehen die Maler, die Bildhauerund Holzschneider des ausgehenden Mittelalters hinter dem kreuz-gekrönten Diadem dieser Phantasmagorie den grinsenden Totenschädel,in den flatternden Ärmeln der Kutte das nackte Gebein, und Zepterund Schwert des asiatischen Priesterkönigs wandeln sich zu Hippe undStundenglas der mittelalterlichen Totentänze.SIEBEN VORBEI UND ACHT VERWEHT: wie unendlich fern istdas alles! Die Männer der alten Streitwagenheere, die Tarschisch-Fahrer,die Bergleute von Ophir und die Weihrauchhändler aus Punt, die Kara-wanenführer der chinesischen Seidenstraßen, die Monsun-Segler des In-dischen Ozeans, die Leute von Thüle und aus Hvitramannaland, die