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SIEMENS
ZEITSCHRIFT
SIEMENS & HALSKE AG - SIEMENS-SCHUCKERTWERKE AG
22. JAHRGANG • BERLIN - APRIL/JUNI 1942 • H E FT 2
Temperatur-Messung und -Reglung in der Härterei eines süddeutschen Präzisionswerkes
Von Fritz Faller, Betriebsleiter, VDL
An einen gehärteten Schnellstahl für feinzahnige Werkzeuge stellt man folgende Hauptforderungen:
1. feines Korn,
2. größte mögliche Auflösung der Karbide,
3. hohe Anlaßbeständigkeit,
4. gute Karbidverteilung.
Die Karbidlöslichkeit, Korngröße und Anlaßbeständigkeit wachsen mit steigender Härtetemperatur und Härtezeit. Gute Karbidverteilung, die sich ebenfalls günstig auf die Karbidlöslichkeit auswirkt, kann nur durch Schmieden erreicht werden und wird durch das Härten nicht beeinflußt.
Das Härten der früher verwendeten hochlegierten Wolframstähle war verhältnismäßig einfach. Der hohe Wolframgehalt verhindert das Kornwachstum und setzt die Wärmeleitfähigkeit herab. Man kann daher den Stahl mit hohen Temperaturen und großen Härtezeiten härten und erreicht dabei die größte mögliche Karbidauflösung, verbunden mit hoher Anlaßbeständigkeit, ohne daß man ein Grobkörnigwerden des Gefüges zu befürchten hat. Ein genaues Einhalten der Härtetemperaturen ist hierbei nicht erforderlich, da Temperaturschwankungen in mäßigen Grenzen das Ergebnis nur unwesentlich beeinflussen.
Bei den sparstoffarmen Schnellstählen, die heute fast ausschließlich verwendet werden, liegen die Verhältnisse ganz anders. Der niedrige Wolframgehalt begünstigt das Kornwachstum und erhöht die Wärmeleitfähigkeit. Man muß also zwischen Karbidauflösung, Anlaßbeständigkeit einerseits und Korngröße andererseits das Bestmaß finden. Die Erfahrung hat gelehrt, daß ein geringes Abweichen von den günstigsten, durch Versuche festgelegten Werten ein fast restloses Versagen der Werkzeuge zur Folge hat. Dies bedeutet, daß beim Härten von sparstoffarmen Stählen ein möglichst genaues Messen und Einhalten der Härtetemperatur und Härtezeit unbedingt erforderlich ist^).
Diese Erkenntnisse waren beim Härterei-Neubau des Werkes richtungsweisend, die weitgehend mit neuzeitlichen Temperatur-Meßgeräten und -Reglern ausgerüstet wurde.
Grundsätzlicher Aufbau.
Es sind vier Ofenreihen aufgestellt (Bild 1). An der Fensterseite sind die Elektroden-Salzbäder untergebracht. Den Bädern gegenüber stehen die Hilfs-
') C. Sieber: Temperaturreglung metallurgischer Öfen aller Art. Metallwirtschaft Bd. 20 (1941), Heft 24.
Öfen, Hilfseinrichtungen und Ölbehälter für die Elektro-den-Salzbäder. Mit dem Rücken gegen diese Reihe stehen die Schnellstahlhärteöfen mit den dazugehörigen Abschreckbädern und Ölbehältern. Den Schnellstahlhärteöfen gegenüber befinden sich die Tiegelöfen und Glühöfen. Es wurden somit zwei Bedienungsgänge geschaffen.
An der schmalen Ostseite ist eine Schalttafel aufgebaut. Sie enthält sämtliche Regler und Temperaturschreiber. Die-beiden mittleren Felder dienen der Stromverteilung. Das linke von den beiden Feldern ist für die Wärmeverteilung, das rechte Feld für die Kraftverteilung. Auf beiden Feldern sind die Druckknöpfe zur Fernbetätigung der Motorschütze untergebracht, die im Keller aufgestellt sind.
Die Temperaturablesegeräte sind in Instrumentenkästen eingebaut. Die Kästen stehen auf Säulen und sind in der Nähe der Öfen so aufgestellt, daß ein Ablesen der Temperatur vom Ofenbedienungstand aus möglich ist, ohne die Geräte durch Wärmestrahlungen zu gefährden. Um die Ablesegenauigkeit noch zu erhöhen, wurde an den Profilgeräten eine Lupe angebracht. Sämtliche Leitungen, die zu den Instrumentenkästen führen, gehen durch die Säule. Ausgleichdosen (Kompensationsdosen), die zur Beseitigung des Raumtemperatureinflusses vorgesehen sind.
Bild 1. Teilansicht der Härterei.
und die Klemmleisten sind ebenfalls in der Säule untergebracht.
Die Härterei ist unterkellert. Im Keller sind untergebracht: die Ofengebläse, Ölpumpen.mit Ölbehälter, Kühler und Reiniger, Gasverdichter, Gasuhren und Ofen-
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