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f § SIEMENSZEITSCHRIFTSIEMENS & HALSKE AG SIEMENS-SCHUCKERTWERKE AG20. JAHRGANG BERLIN - JULI/AUG. 1940- HEFT 4Die Entwicklung der Fernsprech-FernkabeltechnikVon Dr. Wilhelm Rihl, Abteilung für Schwachstromkabel der Siemens-Kabelgemeinschaft.Fernsprechkabel für den Fernverkehr werden wegen ihrer Betriebsicherheit und Leistungsfähigkeit in immer steigendem Maße angewendet, und zwar nicht nur von den staatlichen oder privaten Fernsprech- und Telegrafenverwaltungen, sondern u. a. auch von Eisenbahnverwaltungen, Kanalbetriebsgesellschaften und anderen Unternehmungen. Allein in Europa besitzen die staatlichen Verwaltungen Fernkabelnetze mit über 11 Millionen Stromkreiskilometern, womit rund % des gesamten europäischen Fernleitungsnctzes verkabelt sind. Über diese Netze werden in Europa jährlich etwa 1,3 Milliarden Ferngespräche geführt. Auch in anderen Erdteilen, besonders in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Japan, gibt es umfangreiche Fernkabelnetze. Außerordentlich hohe Kapitalien sind in ihnen angelegt, in Europa allein einige Milliarden Reichsmark. Man erkennt daraus, welche Bedeutung Staat und Wirtschaft diesem wichtigen Nachrichtenmittel beilegen. Die gesamte technische Entwicklung drängt sich auf eine verhältnismäßig kurze Zeit zusammen, denn erst seit etwa 20 Jahren kann man von einem geregelten und betriebsicheren Fernsprechverkehr mittels Kabel über große Entfernungen sprechen. Gegenwärtig vermag man Ferngespräche über Tausende von Kilometern zu führen, eine ganze Anzahl Telegramme gleichzeitig auf einer Leitung zu befördern, Rundfunkdarbietungen und sogar Fernsehbilder im Weitverkehr zu übermitteln. Die vorliegende Arbeit gibt einen kurzen zusammenfassenden Überblick über die wichtigsten Grundlinien dieser technischen Entwicklung.Den Ausgangspunkt der Fernkabeltechnik bildet die Erfindung Prof. Pupins, der um die Jahrhundertwende vorschlug, die Kabelleitungen, die vorher ein Fernsprechen nur über geringe Entfernungen zuließen, durch Spulen, die in regelmäßigen Abständen eingefügt wurden, induktiv zu belasten und dadurch ihre Reichweite für Fernsprechströme auf etwa das Drei- bis Vierfache zu erhöhen. Nachdem Erfinder werden diese Induktivitätspulen als Pupinspulen bezeichnet. Ihre Wirkung beruht darauf, daß die Sprechströme mit höherer Spannung und geringerer Stromstärke übertragen werden. Infolgedessen werden die Stromwärmeverluste geringer, wodurch die Leitungsdämpfung entsprechend gesenkt wird. Siemens Halske erwarben 1901 die europäischen Pupinpatente und begannen mit der praktischen Einführung der Pupinkabel in Deutschland und in anderen Ländern.In der Entwicklung der Fernkabeltechnik lassen sich drei Zeiträume unterscheiden, von denen jeder durch die Einführung grundsätzlich neuer technischer Mittel gekennzeichnet ist. Der erste Zeitraum umfaßt die beiden ersten, die weiteren das dritte und vierte Jahrzehnt des Jahrhunderts.Im ersten Jahrzehnt kann man von eigentlichen Fernkabeln noch nicht sprechen, vielmehr beschränkte man sich darauf, benachbarte Städte durch interUrbane" Kabel zu verbinden. So bauten Siemens Halske schon 1902/3 das erste etwa 30 km lange Pupinkabel zwischen Berlin und Potsdam. Bald ging man auch dazu über, die aus der Zusammenfassung zweier Stammleitungen entstehende Phantomleitung mit Spulen zu belasten. Es ist dies das erste Beispiel einer Mehrfachausnutzung der physikalischen Stromkreise in Fernkabeln.Im zweiten Jahrzehnt wandte man sich größeren Aufgaben zu und war bestrebt, Fernkabel für größere Reichweiten zu bauen. Dazu gab es zunächst kein anderes Mittel, als den Querschnitt der Kabeladern zu vergrößern und dadurch die Dämpfung je km herabzusetzen. Nach diesen Gesichtspunkten entstand das bekannte Rheinlandkabel zwischen Berlin und Köln, das eine Länge von rund 600 km hat und als das erste europäische Fernsprech-Fernkabel bezeichnet werden muß. Der Bau wurde 1912 von Siemens S. Halske im Auftrage der Deutschen Reichspost begonnen und nach dem Weltkrieg fertiggestellt.129